An Nippons Börse geht die Sonne auf

Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions GmbH / Foto: © GVS

Der japanische Leitindex Nikkei 225 hinkt in diesem Jahr im Vergleich den internationalen Pendants wie dem DAX oder dem Dow Jones hinterher.  Dennoch oder gerade deswegen, sollten sich Investoren die Aktien aus dem Land der aufgehenden Sonne genauer ansehen.

Japans Börse hat in den letzten Jahren oft schlechter performt als andere Märkte. Doch allmählich kommen die „Nippon-Aktien“ wieder in Schwung. Dies hat unterschiedliche Gründe. Zum einem hilft die Notenbank unter Führung von Haruhiko Kuroda tatkräftig mit. Die Bank of Japan (BoJ) wurde im April in Sachen Leitzins nicht aktiv und fährt somit weiter die Politik des ultralockeren Geldes. Die Aktienkurse der exportorientierten Unternehmen zogen somit an, denn die Landeswährung Yen geriet an den Devisenmärkten wieder unter Druck und verlor vor allem gegen den US-Dollar deutlich an Wert. Von diesem Währungsvorteil könnten die Aktien der exportorientierten Unternehmen, die traditionell stark im Nikkei vertreten sind, auch zukünftig profitieren.

Darüber hinaus ist Japans Wirtschaft in jüngster Zeit wieder gut in Form. Die Wirtschaft stagniert nicht mehr, sondern ist 2016 um ein Prozent gewachsen. Die Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für 2017 liegt aktuell bei 1,6 Prozent. Auch die Exportraten steigen, die Industrieproduktion zieht an, der Arbeitsmarkt belebt sich. So liegt die Arbeitslosigkeit in Japan nur noch bei hervorragenden 3,2 Prozent.

Doch Japans Notenbank hat noch einen Pfeil im Köcher. Die Bank of Japan und einige Pensionsfonds kaufen seit Monaten massiv heimische Aktien. Besonders die Eingriffe der Bank of Japan haben die japanische Börse beflügelt. Über ETFs hat die Zentralbank massiv Aktien gekauft. Das ETF-Kaufprogramm liegt aktuell bei 50 Milliarden Euro pro Jahr und wurde vom  „großen“ Nikkei – auf den breiter gestreuten Topix-Index ausgeweitet.

Doch nicht nur die Bluechips aus dem japanischen Raum sind ein attraktives Investment. Vor allem Small Caps bieten ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis. Als Small Caps gelten in der Regel Aktien, die sich gemessen an der Marktkapitalisierung im unteren Viertel des Anlageuniversums bewegen. Insbesondere Nischenunternehmen mit einem Wettbewerbsvorsprung und einem nachhaltig wachsendem Gewinn kommen in Betracht.

Bei aller Euphorie sollte aber auch auf die Risiken hingewiesen werden. Die massiven Aktienkäufe der BoJ bergen auch große Gefahren. Sie wird nämlich nicht mehr aus dem Aktienmarkt aussteigen können, ohne einen Crash zu provozieren. Vermutlich will sie das auch gar nicht, sondern wird die Aktien-ETFs wohl auf Dauer halten müssen. Schließlich erhält sie das Geld quasi zum Nulltarif und kassiert zumindest die Dividenden. Notfalls kann das Spiel so lange weiter gespielt werden, bis der Bank of Japan der gesamte japanische Aktienmarkt gehört. Erinnerungen an den Sozialismus kommen zwangsläufig hoch.

Der Nikkei hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 17, beim breiter gefassten Topix liegt es noch bei moderaten 14. Die Dividendenrendite liegt bei etwa zwei Prozent. Chancenorientierte Investoren finden an Japans Börsen jetzt Schnäppchen. Das Gewinnpotential bleibt auch für 2017 hoch, vor allem wenn der monetäre Honig der Notenbank weiterhin kräftig fließt. Starke Schwankungen sollten Anleger jedoch aushalten können, denn die Volatilität der letzten 90 Tage liegt bei vergleichsweise hohen 13,5 Prozent.

Kolumne von Guido vom Schemm, Geschäftsführer GVS Financial Solutions