2017 mit mehr Chancen als Risiken

Michael Stegmüller / Foto: © Performance IMC Vermögensverwaltung AG

Erneut werden politische Ereignisse die Märkte, zumindest kurzfristig, massiv beeinflussen. Dies wird jedoch nicht zwangsläufig negative Folgen für Anleger haben. Schon jetzt wartet die Welt gespannt auf die angenommenen Trump-Effekte, die in den ersten Monaten das beherrschende Thema sein werden. Gegen Ende des letzten Jahres verstärkten sich bereits die Erwartungen, dass die verbesserte wirtschaftliche Lage in den USA, die angekündigten Investitionen des neuen Präsidenten und dessen geplante Steuersenkungen den Inflationsdruck erhöhen und für steigende US-Zinsen sorgen würden.

Mit der Erhöhung der US-Leitzinsen am 14. Dezember 2016 haben wir zumindest in den USA bereits die Zinswende erlebt. Es spricht allerdings einiges für eine eher allmähliche Anhebung des Niveaus, was die Börsen gut verkraften werden. Wir rechnen daher mit einem starken US-Dollar und weltweit steigenden Aktienbörsen.

Andere politische Ereignisse, wie die Wahlen in Frankreich, haben das Potential auf dieser Seite des Atlantiks ebenfalls eine neue Aufbruchsstimmung entstehen zu lassen. Durch die traditionell hohe Wahlbeteiligung erscheint ein Erfolg der Extremisten im zweiten Wahlgang als nicht besonders wahrscheinlich. Sollte der aussichtsreiche Konservative François Fillon siegen, wäre dies seit Jahrzehnten eine der größten Chancen für Europa und für das deutsch-französische Verhältnis. Die zweitgrößte europäische Wirtschaft könnte endlich notwendige, aber schmerzhafte Reformen angehen.

Nach einem erneuten Wahlsieg von Angela Merkel in Deutschland entstünde ein starker konservativer Verbund, der die Europäische Union aus der Krise führen könnte. Das Risiko eines Erfolges extremistischer Kräfte erscheint bei den bereits im März anstehenden Wahlen in den Niederlanden am größten. Ob die Folgen allerdings wirklich so drastisch wären, wie Wahlkampfaussagen es befürchten lassen, bleibt abzuwarten. Insgesamt sehen wir für das Jahr 2017 mehr Chancen als Risiken für Europa.

Regionen im Focus

Durch die Ankündigungen von Donald Trump wird der US-Markt gerade in den ersten Monaten des Jahres sehr viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auf das komplette Jahr betrachtet, sollte vor allem Japan von einer positiven Entwicklung profitieren und praktisch einen Hebel auf die Chance in den USA darstellen. Hier sehen wir die größten Möglichkeiten für Anleger. Ergänzend erscheint uns in einem Szenario mit mittleren Annahmen Europa auf Sicht von zwölf Monaten sogar attraktiver als die USA. In unserer Allokation liegt der Fokus deswegen auf dem heimischen Kontinent und Japan.

Konjunkturzyklus ist intakt!

Der längste Konjunkturzyklus der Nachkriegsgeschichte wird weiter Bestand haben. Die positiven Trump-Effekte werden zu keiner Überhitzung führen. Trotzdem stellt der 8. November 2016 eine Zeitenwende im Zinsbereich dar. Die Anpassung wird uns noch Jahre beschäftigen und dieser Tag wird sicher als ein historischer Ausgangspunkt in den Geschichtsbüchern vermerkt werden. Sichere Staatsanleihen sind 2017 wegen des Zinsänderungsrisikos kein Anlagethema.

Die Aktienmärkte haben, trotz möglicher kurzfristiger Rückschläge aus welchen Gründen auch immer, noch das Potential über Jahre positive Entwicklungen zu erreichen. In 2017 sehen wir besonders gute Chancen in Europa und in Japan. Langfristig sollten die Börsen in den Emerging Markets wieder die größten Anlegerhoffnungen erfüllen. Zur Diversifizierung eignet sich im kommenden Jahr vor allem Liquidität, um Rückschläge zu begrenzen und zu nutzen. Rohstoffe oder alternative Währungspositionen, neben dem von uns für 2017 klar favorisierten Dollar, können hierzu beitragen.

Kolumne von Michael Stegmüller,
Vorstand der Performance IMC Vermögensverwaltung AG