Was passiert, wenn es schief läuft?

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Karsten Junius

Die wirtschaftlichen Aussichten für die Finanzmärkte sind gut. Die Konjunktur in Euroland schüttelt alle Belastungen in diesem Jahr souverän ab. Griechenland, China, VW-Skandal, Zuwanderungsströme und Terrorakte.

Den konjunkturellen Stimmungsindikatoren kann all dies wenig anhaben, das Wachstum bleib zwar moderat aber auch sehr stabil. Zusätzlich werden die Zentralbanken in Europa die Märkte weiter mit Liquidität überfluten und mittels negativer Einlagenzinsen, Anleger in risikoreichere Marktsegmente reintreiben. Es gibt also Gründe genug, optimistisch ins Jahr 2016 zu blicken. Nur vergessen sollten Anlegende dabei nicht, was alles schief laufen kann.

Risiken findet man derzeit vor allem im politischen Bereich. Am 8. November 2016 ist in den USA Wahltag. Damit ist es unsicher, wie die USA auf neue und bisherige geopolitische Risiken reagieren würden, aber auch, ob nicht nach den Wahlen ein populistischerer Präsident des rechten Spektrums erratische Entscheidungen fällen könnte. Erratisch und aggressiver wird häufig auch die Außenpolitik von Staaten, die wirtschaftlich herausfordernde Zeiten durchmachen. Davon gibt es dank der Wachstums- und Rohstoffpreisschwäche vor allem in den Schwellenländern einige. Schon jetzt führen die schwierigen wirtschaftlichen und politischen Perspektiven einiger Länder zu einer Einwanderungswelle, wie sie Europa lange nicht mehr erlebt. Auch hieraus ergeben sich Herausforderungen, für die aufnehmenden Länder und ihre politischen Führungen: Herausforderungen, die auch zu Instabilitäten führen können, über die auch bisher angesehene Persönlichkeiten stolpern können. Und dazu kommen die Regionalisierungstendenzen in Europa: Katalonien wird weiter die Eigenständigkeit suchen. In Finnland dürfte über den Euro abgestimmt werden, im Vereinigten Königreich über den Brexit, dazu kommen wenig stabile Links-Regierungen in Griechenland und Portugal. Frankreich sucht eine angemessene Reaktion auf die Terrorakte und hat bereits angekündigt, die geplanten Haushaltsvorgaben erneut nicht einzuhalten. Deutschland wiederum wird rund eine Millionen Flüchtlinge aus diesem Jahr integrieren müssen und eventuell eine Vielzahl neuer Asylanten im nächsten Jahr. An den Finanzmärkten sind all diese Themen bekannt. Sie werden behandelt, wie das meist mit politischen Problemen der Fall ist. Sie sorgen für kurzfristige Irritationen und haben dann kaum mehr Einfluss. Das wird auch dieses Mal wahrscheinlich angemessen sein. Allein der Ballung der Restrisiken sollten sich Anleger im 2016 bewusst sein.


Autor: Karsten Junius, Chefvolkswirt, Bank J. Safra Sarasin