Sturmtief Donald bedroht Davos

Markus Richert, CFP® und Seniorberater Vermögensverwaltung bei der Portfolio Concept Vermögensmanagement GmbH / Foto: © Portfolio Concept

Vom 23. bis 26. Januar 2018 trifft sich die weltweite Wirtschaftselite wieder in Davos im Schweizer Kanton Graubünden. Alljährlich findet dort das Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, kurz WEF) statt. Hierbei kommen international führende Wirtschaftsexperten, Politiker, Intellektuelle und Journalisten zusammen, um über aktuelle globale Fragen zu diskutieren.

Die Teilnahme am Jahrestreffen ist nur auf Einladung möglich. Al Gore, Bill Clinton, Bill Gates, Bono, Paulo Coelho und Tony Blair stehen in Davos regelmäßig auf der Gästeliste. In diesem Jahr hat auch der US-amerikanische Präsident Donald Trump sein Kommen angesagt und sorgt damit bereits im Vorfeld der Veranstaltung für einige Unruhe und mediale Aufmerksamkeit.

Das diesjährige Motto des Weltwirtschaftsforums lautet: „Die gemeinsame Zukunft in einer zerbrochenen Welt“. In mehr als 400 Sessions werden die fast 3.000 angemeldeten Teilnehmer samt ihrer kleineren oder größeren Entourage die Probleme der Welt diskutieren. Angeblich reist Donald Trump mit einer großen Delegation an, darunter mehrere Kabinettsmitglieder wie Handelsminister Wilbur Ross und Finanzminister Steven Mnuchin. Dort will er, der große Spalter, für seine Politik zur Stärkung amerikanischer Unternehmen, amerikanischer Industriezweige und amerikanischer Arbeiter werben. Sollte er wirklich kommen, könnte das in der Vergangenheit oft belächelte Treffen in diesem Jahr wirklich spannend werden.

Nach einem Jahr Präsidentschaft von Donald Trump könnte die Situation in den USA derzeit nicht widersprüchlicher sein. Die US-Wirtschaft boomt, die Zinsen steigen langsam wieder an und die Börse jagt einen Rekord nach dem anderen. Auf der anderen Seite ist die US-Gesellschaft gespalten wie noch nie und aktuell konnte ein längerer Government Shutdown nur mit Mühe abgewendet werden.

Wie es um die amerikanische Volkswirtschaft wirklich bestellt ist, lässt sich derzeit am besten am Dollarkurs ablesen, stellen Kritiker fest. Eigentlich müsste die US-amerikanische Währung von dem positiven wirtschaftlichen Umfeld profitieren, allerdings ist derzeit das Gegenteil der Fall. Der Dollar ist so schwach wie lange nicht mehr, die Währung liegt auf dem tiefsten Niveau seit Ende 2014. Die jüngste Stärke des Euro ist in Wahrheit eine Schwäche des Dollar.

Beobachter sehen den Grund für die derzeitige Schwäche des US-Dollar in der gefeierten US-Steuerreform. Es mehren sich die Bedenken, das sich die Reform, nicht wie von Donald Trump und seinen Anhängern vollmundig versprochen, über ein höheres Wachstum von selbst finanziert. Die massiven Steuererleichterungen für Unternehmen, könnten ein gewaltiges Loch in den US-Haushalt reißen.

Der Finanzausschuss des amerikanischen Kongresses schätzt, dass sich die Steuerausfälle über die kommenden zehn Jahre auf eine Billion Dollar summieren könnten. Und die Analysten der Bank of America haben berechnet, dass das Haushaltsdefizit des Staates 2018 rund 790 Milliarden Dollar statt der geplanten 645 Milliarden betragen wird. Das Haushaltsdefizit steigt damit vermutlich auf über fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Seit einigen Tagen steigen, trotz ungünstigen Eurokurses, auch die europäischen Aktienmärkte wieder an. Der Dax hat am Dienstag ein neues Allzeithoch erreicht und peilt jetzt, da sind sich viele Analysten einig, die 14.000 Punkte an. Vermehrt fließt derzeit Geld über den Atlantik nach Europa, US-Anleger investieren in europäische Aktien, weil sie vom steigenden Euro-Kurs profitieren wollen.

Durch das abfließende Geld schwächen sie den Dollar weiter, und es wird noch attraktiver für sie, im Ausland zu investieren. Eigentlich ist in dieser Situation die Fed gefordert. Sie müsste die Zinsen stärker anheben, als derzeit von den Investoren erwartet wird. Eine geänderte Zinspolitik der Fed würde den Dollar vermutlich dann schnell ansteigen lassen. Nur so kann der derzeitige Teufelskreis nachhaltig durchbrochen werden.

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