Positive Aussichten bei brummender Weltwirtschaft

Florence Pisani, Global Head of Economic Research (li.) und Anton Brender, Chefökonom (re.) / Foto: © Candriam

Sowohl in den Industrieländern als auch in den Schwellenländern hat sich das Geschäftsklima in den letzten Monaten stark verbessert. Die Candriam Investors Group geht jetzt in ihrem heute veröffentlichten Wirtschafts- und Finanzausblick für die Jahre 2017 und 2018 von einer Fortsetzung des weltweiten Aufschwungs aus. In der Eurozone prognostiziert der europäische Multi-Asset-Spezialist Wachstumsraten von 2 %.

  • Ausblick: Wirtschaft in der Eurozone wächst 2017 und 2018 um jeweils 2 %
  • USA: Günstige Prognose trotz offener „Baustellen“
  • Schwellenländer mit anhaltendem Aufschwung

Sowohl in den Industrieländern als auch in den Schwellenländern hat sich das Geschäftsklima in den letzten Monaten stark verbessert. Die Candriam Investors Group geht jetzt in ihrem heute veröffentlichten Wirtschafts- und Finanzausblick für die Jahre 2017 und 2018 von einer Fortsetzung des weltweiten Aufschwungs aus. In der Eurozone prognostiziert der europäische Multi-Asset-Spezialist Wachstumsraten von 2 %.

Erholung gewinnt an Fahrt in der Eurozone

Die Eurozone hat sich eindeutig auf einen soliden Wachstumspfad begeben. „Darüber hinaus wird sie von der Binnennachfrage angetrieben“, unterstreicht Florence Pisani, Global Head of Economic Research bei Candriam. Nach Jahren der Korrektur erholt sich die Wohnbaubranche und der private Konsum profitiert trotz anziehender Inflation und nach wie vor verhaltenen Lohnzuwächsen von einer schwungvolleren Schaffung von Arbeitsplätzen. Aufgrund verbesserter Aussichten bei der Nachfrage und wegen günstiger Kreditbedingungen dürften die Unternehmen ihre Investitionen weiter intensivieren. Der Außenhandel könnte das Wachstum hingegen leicht eindämmen. Es liegt auf der Hand, dass sich die globale Erholung positiv auf die Exporte auswirkt, doch mit einem Euro-Wechselkurs, der nicht weiter gesunken ist, scheinen wachsende Importe ein realistisches Szenario darzustellen. Unterm Strich dürfte das Wachstum 2017 1,8 % erreichen und 2018 auf rund 2 % klettern.

Durch eine kräftige wirtschaftliche Erholung begünstigt, befindet sich die Europäische Zentralbank (EZB) allmählich in einer guten Position, um einen neuen Kurs einzuschlagen. „Sie wird dabei jedoch vorsichtig sein und keine kräftige Anhebung der langfristigen Zinssätze vornehmen“, sagt Pisani. Immer noch ist die Vollbeschäftigung nicht erreicht, die zugrundeliegende Inflation ist schwach und das Kreditwachstum bleibt nach wie vor bescheiden. So wie die EZB hauptsächlich zur Belebung der Wirtschaft beigetragen hat, liegt es nun an den europäischen Regierungen, Unterschiede in den Bereichen Wachstum, Arbeitslosigkeit und Verschuldung auszugleichen. Vor allem, wenn die führenden Wirtschaften der Eurozone Mühe hätten, ihre Staatsverschuldung im Einklang mit vereinbarten Budgetverpflichtungen zu senken, könnte es zu Spannungen zwischen einzelnen Ländern und Märkten kommen.

Vereinigte Staaten: Halten Trumps Versprechen?

In den Vereinigten Staaten hat die Wahl von Donald Trump gleichermaßen Hoffnungen wie Ängste hervorgerufen. Die Aussicht auf deutliche Steuersenkungen und eine Wiederbelebung von Infrastrukturinvestitionen hat einen Höhenflug an den Börsen ausgelöst. „Jetzt muss man wohl feststellen, dass außer der Reform von Obamacare, die derzeit lediglich vom Repräsentantenhaus abgesegnet wurde, die anderen ‚Baustellen‘ – insbesondere die Steuerreform – noch nicht weit vorangekommen sind. Und das trotz einer Kongressmehrheit für die Republikaner“, erklärt Anton Brender, Chefökonom bei Candriam.

Wenn sich die Steuerreform nun verzögert, sollte man sich dann über ein Stocken der amerikanischen Wirtschaft Sorgen machen? „Das glauben wir nicht“, antwortet Anton Brender. Die Wirtschaft wird weiterhin von der weltweiten Erholung profitieren. Die Stabilisierung des Erdölpreises begünstigt die Neubelebung der Investitionen in der Bergbaubranche. Letztlich verhält sich auch der Arbeitsmarkt dynamisch, der Anstieg der Löhne und Gehälter dürfte andauern und so die Kaufkraft der Haushalte stützen.

Vor allem sollte 2018 davon ausgegangen werden, dass Steuersenkungen trotz budgetärer Engpässe und politischem Gegenwind beschlossen werden. Deren Umfang wird zwar geringer ausfallen als ursprünglich angekündigt. Dennoch sollte diese Steuersenkung für 2018 ein Wachstum von 2,5 % ermöglichen – im Vergleich zu einem Anstieg in Höhe von etwas mehr als 2 % im laufenden Jahr. Insofern dürfte die Fed ihren Kurs bei der Normalisierung der Zinssätze fortsetzen und sich von der lockeren Geldpolitik abwenden, bevor die Amtszeit von Janet Yellen im Februar 2018 endet.

Aufschwung in den Schwellenländern hält an

Eine Erholung von Handel und Industrieproduktion lässt sich weltweit beobachten. Dazu beigetragen hat auch die Zerstreuung der Ängste über eine plötzliche Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft, da sich die Rohstoffpreise stabilisieren konnten. Hinzu kommt, dass die rohstoffproduzierenden Länder von einem günstigeren wirtschaftlichen Umfeld profitieren: Exporteinkünfte steigen, die Aufwertung ihrer Währungen hat inflationäre Tendenzen verringert und ermöglicht somit Spielraum für geldpolitische Maßnahmen.

In China ist eine schrittweise Verlagerung des Hauptgewichts von Wachstum auf Privatkonsum im Gange, es bedarf jedoch struktureller Reformen. Dazu zählen unter anderem Verbesserungen der Sozialpolitik, damit die individuelle Sparquote der Haushalte zurückgeschraubt wird, sowie eine schnellere Anhebung der Löhne, um die Kaufkraft zu steigern. Chinas Regierung hat aber die Schlacht noch lange nicht gewonnen – sie muss permanent das Gleichgewicht zwischen der Verlangsamung der Kreditzunahme und der Aufrechterhaltung eines für die Wirtschaft ausreichenden Wachstums herstellen.

Kolumne von: Florence Pisani und Anton Brender,
Candriam Investors Group