Google streicht Anzeigenplätze und setzt auf eigene Produkte

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Heike Laukat, Geschäftsführerin CAPISOL Capital Market Solutions GmbH

Unbestritten ist Google mit geschätzt täglich rund zwei Milliarden Nutzern der weltgrößte Anbieter einer Internetsuchmaschine

Etwa zwei Drittel seines letztjährigen Umsatzes von 75 Milliarden US-Dollar erzielte Google dabei durch eingeblendete Onlineanzeigen, die sogenannten AdWords. Im vergangenen Jahr fing man dabei an, die Zahl der Anzeigenpositionen zu reduzieren und gleichzeitig die Preise zu erhöhen. Derzeit – so der Diskussionsstand der Internetszene – will Google sogar die bis zu zehn Positionen in der nur für Anzeigen vorgesehenen rechten Spalte bei den Suchergebnissen streichen, dafür aber vier statt bislang drei Anzeigenpositionen über generisch erzeugten Internetseiten auf der Startseite eines jeweiligen Keywords zulassen. Parallel dazu startete der weltgrößte Internetkonzern im vergangenen Jahr ein eigenes Google-Shopping Werbefenster, das er sehr auffällig oben rechts auf der Startseite positioniert ist und mit dem eigene Produkte und Dienstleistungen angeboten werden. Viele Fachleute fragen sich folgerichtig, welche Entwicklung dies einläutet und wohin die Reise gehen könnte?

Zunächst einmal muss man wissen, dass AdWords im Preis variieren, da sie sich am Angebot und der Nachfrage orientieren. Eine Reduzierung der Positionen führt damit zwangsläufig zu steigenden Preisen und bevorzugt Großunternehmen, die sich derartige Preise überhaupt noch leisten können. Google gibt damit den Preisdruck bei Anzeigen direkt an seine Kunden weiter, die nicht darauf verzichten können, präsent zu sein. Dies gilt beispielsweise für Online-Vermarktungsplattformen. Gleichzeitig tritt Google durch Google Shopping in direkten Wettbewerb zu ihnen, indem man das Prinzip der AdWord-Kampagnen für sich selbst nutzt und eben prominent positioniert. Das Geschäftsmodell sieht dabei Provisionen für erfolgte Umsätze vor und schließt beispielsweise Preisvergleichssportale aus. Google nutzt damit seine Vormacht im Internet geschickt gegen Mitbewerber aus und nimmt diesen den Raum für deren eigene Geschäftsfelder. Hat man der Konkurrenz erst einmal die Werbemöglichkeiten genommen, scheint es nicht abwegig, gleich eigene Dienstleistungen anzubieten. Dies geschieht derzeit beispielsweise durch „Google Flight Search“ und „Google Compare“, Vergleichsseiten im Reise- und Finanzbereich. Hoteliers, Fluglinien, aber auch Banken und Versicherungen müssten Google künftig hohe Provisionen bezahlen, wenn über diese Direktabschlüsse getätigt werden. Ob dies mit dem Nimbus einer Suchmaschine noch im Einklang steht, mag angezweifelt werden. In jedem Fall ist das Werben bei Google dann nur noch eine Spielwiese für Großunternehmen. In weiten Teilen ist sie dies heute schon.

Autorin: Heike Laukat, Geschäftsführerin der Capisol GmbH
Das Unternehmen ist auf Google-Optimierungsmaßnahmen spezialisiert