Geht doch

29.08.2022

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Es ist fast wie bei einem Autorennen: Die Ampeln beim Start springen auf Grün, nur eine hakt und will nicht so recht. Ähnlich ist die Situation in der betrieblichen Altersversorgung. Die Technik ist nahezu ausgereift, doch die besonders bedürftige Zielgruppe der kleinen und mittelgroßen Betriebe stellt sich quer. Befürchtet wird – zu Unrecht – ein hoher Verwaltungsaufwand. Da sind in besonderem Maß die Makler gefragt.

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) wird immer stärker risikooptimiert und flexibel aufgestellt, wie der Deutsche bAV-Index 2021 der Unternehmensberatung Willis Towers Watson zeigt. Unternehmen, die eine bAV anbieten, gestalten die Pensionszusage fast immer (93 %) beitragsorientiert aus, berechnen also die Altersleistung auf Basis von jährlichen Beiträgen sowie deren Wertentwicklung. Für die Wertentwicklung der Beiträge setzen fast drei Viertel der Unternehmen (71 %) auf kapitalmarktorientierte Modelle, also Fonds oder Versicherungen. Die meisten Unternehmen bieten ihren Mitarbeitenden Möglichkeiten an, ihre bAV durch Eigenbeiträge („Entgeltumwandlung“) weiter auszubauen. Fast vier Fünftel (79 %) belohnen solche Eigenbeiträge durch weitere Zuschüsse. Für Mitarbeitende und Führungskräfte lohnt sich das: sie erreichen im Median eine bAV in Höhe von 4 bis 5 % ihres letzten Gehalts. Die durch Entgeltumwandlung finanzierten Altersleistungen kommen ergänzend hinzu. Dennoch sollte die Finanzierung der bAV mehr als verdoppelt und noch mehr Mitarbeiten den der Zugang zur bAV eröffnet werden, um das Absinken der gesetzlichen Rente abzufedern, so Willis Towers

Watson. Für Dr. Thomas Jasper, Leiter Retirement Europa bei Willis Towers Watson, lassen sich aus dem Deutschen bAV-Index zwei Punkte ablesen: „Erstens werfen Unternehmen gerade in engen Arbeitsmärkten einiges in die Waagschale, um gute Mitarbeiter zu gewinnen und an sich zu binden. Und zweitens begreifen sie die Altersversorgung als eine Generationenaufgabe und stellen ihre Altersversorgungsmodelle so auf, dass sie tatsächlich über Jahrzehnte und auch unter wechselnden Bedingungen an den Finanzmärkten gut planbar und finanzierbar bleiben.“ Dr. Jasper betont: „Dieses nachhaltige Vorgehen liegt sowohl im Interesse der Unternehmen als auch der Mitarbeitenden.“

Individuell angepasst

Doch nicht nur an ein wechselndes Finanzmarktumfeld passt sich die bAV an. Heutige Vorsorgemodelle sind meist so flexibel konzipiert, dass Mitarbeitende sie anhand von Auswahl-Optionen passend für ihre persönlichen Anforderungen nutzen können, berichtet Dr. Johannes Heiniz, Leiter General Consulting Retirement bei Willis Towers Watson Deutschland. So bieten beispielsweise drei Viertel der Unternehmen die Altersleistung wahlweise als lebenslange Rente oder einmaliges Alterskapital beziehungsweise eine für Mitarbeitende steueroptimierte Auszahlung des Alterskapitals in mehreren Jahresraten an. Auch den Wünschen der Mitarbeiter nach einer zusätzlichen Vorsorge für den Invaliditäts- oder Todesfall kommt nahezu jedes Unternehmen im Rahmen der bAV nach. Dr. Heiniz betont: „Je besser die bAV zu den Altersvorsorge-Anforderungen der einzelnen Mitarbeitenden passt, desto mehr wird sie wertgeschätzt.“ Die Altersvorsorgemodelle in den Unternehmen sind also gut aufgestellt.

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