Folgen Sie noch Ihrem Erfolg oder leben Sie ihn?

Dr. Jan Ostarhild

Die Ostarhild-Kolumne: Das magische Wort

Haben Sie auch des Öfteren den Eindruck, dass wir in der Praxis viel eher vom “Denken in Problemen” geprägt sind, als vom „Denken in (gewünschten) Ergebnissen“? Und ist das nicht sozusagen ein Bestandteil unserer Kultur, so zu denken? Vor einigen Wochen stellte mir Prof. Dr. Beenken, ein anerkannter Experte für die Versicherungswirtschaft, in einem Interview genau diese Fragen. Meine Antwort lautete, dass diese These für eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung nach meiner Beobachtung zutrifft und insbesondere für die Versicherungsbranche gilt. Auf äußere Einflüsse zu reagieren und das meiste davon negativ zu interpretieren, haben wir bewusst oder unbewusst gelernt und sind nun quasi so konditioniert. Verunsicherung, Sorgen und Ängste sind die logische Konsequenz dieser Art des Denkens.

Aus meiner Beratungspraxis weiß ich jedoch, dass jeder – wirklich jeder – dieses gewohnheitsmäßige Denken in Problemen durch ein Denken in Ergebnissen ersetzen kann. Wir haben zu jedem Zeitpunkt die Wahl, in welche Richtung wir unsere Gedanken schicken und wie wir folglich bestimmte Ereignisse interpretieren: negativ oder positiv.

Haben Sie bereits erraten, was ich mit dem magischen Wort meine? Nun, ich will Sie nicht länger auf die Folter spannen: Einstellung. Einstellung ist wirklich der Schlüssel zu allem, was Sie jemals erreichen werden. Einstellung alleine bringt Ihnen natürlich nicht die Ergebnisse, die Sie wollen. Sie benötigen auch die erforderlichen Fähigkeiten und das Talent. Aber wenn Sie keine gute Einstellung haben, dann bringen Sie Fähigkeiten und Talent alleine nicht ans Ziel. Aus einer negativen Einstellung resultieren zwangsläufig negative Ergebnisse. Bei einer positiven Einstellung werden Sie vermutlich früher oder später auch Ihre Fähigkeiten und Talente erkennen und bestmöglich einsetzen.

Manche Trainer vertreten die Philosophie, dass “alles möglich ist, wenn man nur positiv denkt”. Ist das eine realistische Haltung, oder läuft man damit nicht ständig Gefahr, enttäuscht zu werden? Auch diese beiden Fragen stammen von Prof. Dr. Beenken, worauf ich antwortete: Wenn man unter positivem Denken versteht, sich alles schön zu reden und in Lethargie zu verfallen oder sich auf einem Motivationsseminar temporär in einen euphorischen Zustand versetzen zu lassen oder deutliche Warnsignale zu ignorieren, dann sehe ich diese Gefahr durchaus. Ich spreche lieber von einer positiven Einstellung, die sich idealerweise so zeigt: Negatives Feedback wird durchaus wahrgenommen, woraus eine gewisse Unzufriedenheit mit der aktuellen Situation resultiert. Diese Energie wird genutzt, um sich nun voll und ganz auf einen besseren Zukunftszustand zu fokussieren und sich mit diesem emotional zu verbinden. In diesem Sinne führt positives Denken in Verbindung mit positiven Emotionen zu positiven Handlungen, woraus auf längere Sicht betrachtet zwangsläufig positive Ergebnisse resultieren.

Was genau zeichnet somit eine positive Einstellung aus, was sind sozusagen deren Zutaten? Nach dem oben Gesagten umfasst eine positive Einstellung davon drei: positive Gedanken, positive Emotionen und positive Handlungen. Ein Mensch, der zwar unglaublich gut gelaunt ist, sich die schönsten Sachen vorstellen kann, aber nicht ins Handeln kommt, besitzt gemäß dieser Definition keine positive Einstellung. Auch braucht er sich nicht zu wundern, dass sich die gewünschten Ergebnisse nicht einstellen, denn aus welchem Grund sollten diese ohne die entsprechenden Handlungen eintreten?

Wie ist es um Ihre Einstellung bestellt? An welchem der drei Zutaten der Einstellung (Gedanken, Emotionen, Handlungen) wollen und können Sie arbeiten? Lassen Sie uns herausfinden, wie Sie damit anfangen können, auf eine neue und mächtige Art und Weise zu denken. Sind Sie dazu bereit?

Dr. Jan Ostarhild ist Professor im Studiengang BWL-Versicherung an der staatlichen DHBW Stuttgart und wissenschaftlicher Leiter von „Denken in Ergebnissen“. Er schreibt wöchentlich auf finanzwelt.de zu Themen der Persönlichkeitsentwicklung.