FERI-Experten mit gemischtem Blick in die Zukunft

Björn Conrad, Geschäftsführer Sinolytics GmbH, bei seinem Vortrag auf dem FERI Konjunktursymposium / Foto: © 31. Konjunktursymposium FERI, Bad Homburg

Auf ihrem gestrigen Konjunktursymposium offenbarten die FERI-Experten einen gespaltenen Blick auf die zukünftige konjunkturelle Entwicklung: Ausgehend von den USA dürfte die weltweite Konjunktur einen Dämpfer erfahren, Deutschland sei davon aber nicht sehr stark betroffen. Beim Thema Handelskrieg zeige sich, dass wohl wieder das Sprichwort „Es wird nie so heiß gegessen wie es gekocht wird“ zutrifft.

Gestern stellten auf dem 31. FERI-Konjunktursymposium die FERI-Experten gegenüber zahlreichen Vertretern aus verschiedenen Bereichen der deutschen Wirtschaft ihre Analysen und Prognosen zur Entwicklung der Weltwirtschaft vor. Das Programm wurde durch einen Gastvortrag von Björn Conrad (Sinolytics GmbH) über die technologische Entwicklung in China ergänzt.

Aufschwung hat Zenit überschritten

Bezüglich der weiteren konjunkturellen Entwicklung der Weltwirtschaft zeigten sich die FERI-Experten skeptisch. So glauben sie, dass der laufende, alle wesentlichen Regionen umfassende Aufschwung der Weltwirtschaft seinen Höhepunkt erreicht hat und ab der zweiten Jahreshälfte an Dynamik verlieren wird. Da die massive Liquiditätszufuhr der großen Notenbanken nachlassen werde, gerieten die ungelösten strukturellen Probleme der Weltwirtschaft wieder stärker in den Fokus, besonders die nach wie vor hohe Verschuldung und das geringe Produktivitätswachstum. „Wir glauben, dass die verschlechterten Stimmungsindikatoren, die aktuell zu sehen sind, genau dies widerspiegeln und deshalb nicht nur eine temporäre Erscheinung sein werden“, erläuterte Axel D. Angermann, Chef-Volkswirt der FERI Gruppe.

In den USA kommt der Abschwung

Als Ausgangspunkt für die kommende weltwirtschaftliche Abkühlung machen die FERI-Experten die USA aus. Dort gäben zwar die verabschiedete Steuerreform und höheren Staatsausgaben der Wirtschaft einen spürbaren fiskalischen Impuls, der im laufenden Jahr zu einem Wachstum von mehr als 2,5 % führen dürfte. Gleichzeitig würden sich jedoch die Anzeichen dafür mehren, dass der bereits sehr lange laufende Konjunkturaufschwung in seine letzte Phase eintrete. So würden spürbar stärker steigende Löhne zusammen mit höheren Importpreisen wegen der Dollarschwäche und protektionistischer Maßnahmen die Inflationsrate über ein Niveau von 3 % treiben. Die Fed sehe sich deshalb dazu gezwungen, in den kommenden Jahren die Geldpolitik über das bisher kommunizierte Maß hinaus zu straffen. Als Folge steigender Zinsen, einer möglicherweise inversen Zinsstrukturkurve, einer zunehmenden Eintrübung der der Stimmung und der negativen Auswirkungen protektionistischer Maßnahmen würde die Dynamik des privaten Verbrauchs und der Investitionen gebremst und würden ab der zweiten Jahreshälfte einen konjunkturellen Abschwung auslösen. „Wir rechnen damit, dass das Wachstum der US-Wirtschaft im Jahr 2019 auf weniger als 2 % sinken wird“, führte Angermann aus.

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