Sachwertanlagen sind ein Megatrend

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Richtig investieren in Zeiten von Pandemie und Krieg und wie ich mein Portfolio richtig absichere. Diese und andere Fragen diskutieren Christian Grall, Geschäftsführer bei Project, Rauno Gierig, Geschäftsführer der Verifort Capital, Herbert Behr, CEO von Golden Gates, Dr. Carsten Schäfer, CEO bei immero und Gordon Grundler, Vorstand bei Primus Valor im finanzwelt Sachwerte-Roundtable.

finanzwelt: Pandemie, Krieg, Rohstoffknappheit und Inflation beschäftigen die Märkte. Wie beurteilen Sie die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage?
Christian Grall» Eine sehr anspruchsvolle Zeit, die sehr unsicher für viele Branchen ist. Auch wenn die Immobilienbranche recht gut durch die Corona-Zeit gekommen ist. Natürlich rückt jetzt die Unsicherheit sehr stark in den Vordergrund. Man mag sich geopolitisch gar nicht ausmalen, wo das alles mal hinführen soll. Die Immobilienbranche muss sich vermehrt mit gestiegenen Rohstoffpreisen und rasanter Preisentwicklung auseinandersetzen.

finanzwelt: Rohstoffmangel in der Immobilienbranche: Baustoffe wie Holz sollen sehr knapp sein. Inwieweit wird Holz am Bau überhaupt noch eingesetzt und an welcher Stelle hakt es?
Grall» Bei der Project Gruppe benötigen wir kein Bauholz, wir bauen in erster Linie mit Beton. Aber es gibt viele Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, auch Mehrfamilienhäuser größtenteils aus Holz zu bauen. Das ist ein Trend, der spannend und zukunftsträchtig ist, gerade was die Nachhaltigkeit betrifft. Allerdings betrifft uns die Preissteigerung bei der Betonproduktion.
Rauno Gierig» Bei Kunden und Vermittlern spüren wir viel Unsicherheit, bis hin zu Angst durch den Krieg in der Ukraine. Dabei gehören wir, vorsichtig gesagt, eher zu den Gewinnern in der Krise, da die Menschen in unsicheren Zeiten wieder einmal auf stabile Investments setzen. Mit Beginn des Krieges sind die Börsen ‚abgeschmiert‘ und viele Anleger setzen wieder stärker auf Sachwerte wie Immobilien oder Gold.

finanzwelt: An für sich richtig, einen guten Teil des Vermögens so anzulegen, aber warum muss da erst ein Krieg kommen?
Herbert Behr» Genau, denn selbst ohne Krieg ist es sinnvoll, in Sachwerte zu investieren. Aber erst jetzt kommt die Erkenntnis, dass es auch mal schlechte Zeiten geben kann.
Dr. Carsten Schäfer» Zusätzlich zur Inflation, die im Moment exorbitant hoch ist, haben wir noch steigende Finanzierungszinsen. Das führt vielleicht nicht gerade zur Torschlusspanik, aber viele zuvor noch Unentschlossene schließen doch ab, und andere setzen sich erstmals mit dem Thema Sachwerte und Inflationsschutz auseinander. Diejenigen, die noch vor dem Ukraine-Krieg beschlossen hatten, zu bauen oder zu investieren, hatten zwar mit niedrigen Zinsen gerechnet. Trotzdem oder gerade deswegen ist die Nachfrage nach Immobilien ungebrochen.
Gordon Grundler» Wir sind stark betroffen. Denn bei den energetischen Sanierungsmaßnahmen müssen wir erst mal sehen, ob wir die überhaupt sofort umsetzen können, oder ob wir diese noch etwas schieben. Wir bauen bereits jetzt Neu-bauten mit KfW 55-Standard und überlegen, ob wir auch KfW 40 umsetzen wollen. Unsere Handwerkernetzwerke funktionieren Gott sei Dank noch. Was jetzt wieviel teurer wird, bleibt abzuwarten.
Behr» Für uns waren schon die vergangenen Pandemie-Jahre gute Zeiten. Jetzt mit dem Krieg kommt ein weiterer Nachfrage-Schub. So sehr, dass die Beschaffung, also nicht der Rohstoff selbst, schwierig wird. Vor allem stockt die Produktion der Edelmetalle in den Prägewerken. Bei bestimmten sehr beliebten Barrengrößen kann es da schon mal zu Engpässen kommen. Die Inflation befeuert natürlich auch das Industriemetallgeschäft. Aber mehr noch die aktuelle Klimaschutzpolitik. Denn fast alle nachhaltigen Energietechniken benötigen im besonderen Maße Industriemetalle. Die neue Regierung – besonders die Grünen – spielt uns da in die Karten.

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