Ruhestand: Wie viel Geld ist wirklich nötig?

21.01.2019

Thomas Hünicke / Foto: © WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH

Unternehmer und Freiberufler müssen ihr Ruhestandsvermögen ohne staatliche Hilfe aufbauen. Dafür sollten sie unter anderem das Langlebigkeitsrisiko im Blick behalten und frühzeitig mit der Vermögensverwaltung fürs Alter beginnen.

Die Rentenquote in Deutschland sinkt und sinkt und wird in einigen Jahren nur noch rund 40 Prozent des letzten verfügbaren Einkommens betragen. Das führt dazu, dass Arbeitnehmer sich mehr denn je um die private Altersvorsorge kümmern sollten – und mehr denn je gilt dies für Unternehmer und Freiberufler, die (von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen) überhaupt keine Ansprüche auf gesetzliche Zahlungen haben. Aufgabe von Selbstständigen ist es also, neben der Entwicklung ihres Geschäfts auch die Ruhestandsfinanzierung im Auge zu behalten.

Und dies ist kein Selbstläufer oder eine Aufgabe, die sich kurz nebenbei erledigen lässt. Die internationale Finanzgesellschaft Fidelity International beispielsweise hat kürzlich errechnet, dass künftige Ruheständler in Deutschland bis zum Alter von 67 Jahren rund das Zehnfache ihres Bruttojahreseinkommens angespart haben müssten, um den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Dafür wäre es nötig, rund 21 Prozent des Bruttoeinkommens des gesamten Erwerbslebens zurückzulegen. Was das für einen Unternehmer oder Freiberufler ganz individuell bedeutet, kann wohl jeder für sich selbst ermitteln.

Und: Viele Menschen unterschätzen das sogenannte Langlebigkeitsrisiko. Die Menschen werden immer älter, daher müssen mehr Lebensjahre auch in die Berechnung des notwendigen Ruhestandsvermögens mit einbezogen werden. Das bedeutet: Wer monatlich 3 000 Euro für den Ruhestand kalkuliert, aber letztlich fünf Jahre länger lebt, benötigt, dementsprechend 180.000 Euro mehr Vermögen als ursprünglich angenommen. Dies muss über die Vermögensverwaltung oder andere Einnahmequellen abgesichert werden.

Doch bevor es um die konkrete Art der Geldanlage gehen kann, muss eine tiefgehende Analyse aller vorhandenen Vermögenswerte sowie den Ansprüchen im Alter durchgeführt werden. Will ein Unternehmer luxuriös leben oder eher bescheiden? Verfügt er über eine oder mehrere abbezahlte Immobilien, und kann er vielleicht sein Unternehmen gewinnbringend verkaufen? Zahlt er in berufsständische Versorgungswerke ein oder andere Formen der privaten Rentenversicherung?

Daraus ergibt sich zum einen der tatsächliche Kapitalbedarf und zum anderen die Höhe des Sparanteils während der Berufstätigkeit sowie das Vermögensverwaltungskonzept. Dabei rückt die Aktie – trotz aller Schwankungen – immer mehr in den Blick. „In der Niedrigzinsphase sind Aktien für die Altersvorsorge eigentlich unentbehrlich“, heißt es dazu beim Deutschen Institut für Altersvorsorge, und der unterlegene Kandidat für den CDU-Vorsitz Friedrich Merz hat eine Steuerbefreiung für den Aktienerwerb im Rahmen der Altersvorsorge gefordert. Durch eine professionell strukturierte Aktien-Vermögensverwaltung sind auf Dauer Renditen von durchschnittlich drei bis fünf Prozent möglich. Wer daher 30 Jahre lang monatlich 800 Euro, mit 3,5 Prozent Verzinsung, einzahlt, hat am Ende der Sparzeit ein Vermögen von weit mehr als 500.000 Euro für den Ruhestand. Dafür werden dann ein Ausschüttungsplan und ein weiteres Vermögensverwaltungskonzept entwickelt, um das Geld so lange wie möglich zu erhalten.

Im Rahmen eines Sparplans stehen am ehesten Fonds im Fokus. Unternehmer und Freiberufler können damit nach und nach ein Vermögen aufbauen und, beispielsweise in einem Mischfonds, von einer breit aufgestellten Vermögensverwaltung im Fondsmantel profitieren. Das schafft die nötige Flexibilität in der Einzahlung und setzt kein Startvermögen voraus, kann aber regelmäßig aufgestockt werden, etwa nach einer Erbschaft, einem Immobilienverkauf oder ähnlichem.

Kolumne von Thomas Hünicke, geschäftsführender Gesellschafter der unabhängigen WBS Hünicke Vermögensverwaltung GmbH aus Düsseldorf