PKV-Prämien steigen wieder

Die ersten Prämienanpassungen für PKV-Versicherte zum Januar 2015 sind bekannt. Steigende Beiträge sind für Versicherungsmakler und Vermittler Anlass zu prüfen, ob es nicht günstiger geht.

2014-11-07 (fw/db) In der Privaten Krankenversicherung (PKV) erhöhen 14 Versicherer für Neukunden die Prämien. Treue Kunden erwartet Post zur Prämienanpassung in den Beständen. Das 1A Verbraucherportal meldet Hintergründe zu den Beitragserhöhungen.

Regelmäßig zum Jahreswechsel bekommen viele der neun Millionen privat Vollversicherten Post über Prämienanpassungen ihrer PKV. Die “Hochkonjunktur” der Anpassungen der zu zahlenden Beiträge hat gerade erst begonnen. Erhöhungen sind bislang vor allem für Neukunden, vereinzelt auch für Bestandskunden zu erwarten.

Der Zeitrahmen, wann Anpassungen in Kraft treten, zieht sich von Januar bis Mai 2015. Das 1A Verbraucherportal hat hier im Internet Ursachen und Hintergründe zu steigenden Beiträgen und Handlungsoptionen sowie eine umfassende Infografik und ein Video zusammengestellt.

Bisher 14 Krankenversicherer mit Beitragserhöhungen bekannt

Zum klassischen Zeitpunkt am 1. Januar haben für 2015 bereits 14 Gesellschaften höhere Beiträge in einigen Tarifen angekündigt, allerdings überwiegend für Neukunden. Das betrifft Tarife des Deutschen Ring, der Central, der ARAG, der Universa, der Signal und der Barmenia.

Geplant, aber formal noch ungenehmigt sind Beitragsanpassungen des Münchener Verein, der Nürnberger, der Axa, der Gothaer, der R+V, der Allianz und der Halleschen.

In einigen Tarifen sind allerdings auch Beitragssenkungen zu erwarten sowie teilweise Beitragsgarantien bis Dezember 2015. Insgesamt bewegen sich die Beitragsanpassungen für Neukunden durchschnittlich im niedrigen einstelligen Prozentbereich, wobei es jedoch Ausreißer sowohl nach oben als auch nach unten von knapp 30 Prozent gibt.

Die Hamburger Hanse Merkur sei bislang das einzige Unternehmen, das die Prämie ausschließlich nach unten korrigiert (neben zahlreichen Beitragsgarantien)

Optionen für Bestandskunden

Bestandskunden müssen – Stand Anfang November 2014 – bei der Barmenia, der Axa und der Allianz mit steigenden Beiträgen rechnen. Allerdings sind auch hier nur bestimmte Tarife und Altersgruppen betroffen. Beitragssenkungen und -garantien gibt es ebenfalls. Offen ist allerdings, wie stark die Preisanpassungen ausfallen werden. Erfahrungsgemäß werden bis Ende November weitere private Krankenversicherungen Beitragsanpassungen bekannt geben. Eine weitere Welle folgt dann voraussichtlich ab März 2015.

Die meisten Kunden haben bei der Beitragserhöhung aufgrund des Sonderkündigungsrechts den Impuls, einen neuen Versicherer zu suchen. Doch gerade langjährig Versicherte und Ältere sollten zuerst einen anderen Schritt prüfen.

Albert Gottelt, Chefredakteur des 1A Verbraucherportal, empfiehlt: “Der interne Tarifwechsel bei der eigenen Versicherung ist am besten geeignet, Beiträge ohne Leitungseinbußen zu senken und bereits erworbene Rechte wie Gesundheitszustand und Alterungsrückstellungen beizubehalten.”

“Während noch bis vor ein paar Jahren überwiegend zum 1. Januar die Anpassungen erfolgten und dementsprechend die große Wechselwelle im Oktober und November davor stattfand, hat sich diese Situation seit rund zwei bis drei Jahren etwas verändert. Wir beobachten, dass die privaten Krankenversicherungen die Beitragserhöhungen immer häufiger über mehrere Monate verteilen, meist von Januar bis April oder Mai“, darauf weist Gottelt hin.

Einige Tarife und Berufsgruppen erhalten die Beitragsanpassungen eher als andere und somit zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das entzerrt die Wechselaktivität seitens der Kunden und erreicht in der öffentlichen Wahrnehmung nicht die Aufmerksamkeit wie ein Zeitpunkt für alle Versicherten. Dies dürfte Kalkül seitens der Versicherungen sein, denn der Fokus auf einen Zeitpunkt hatte in der Vergangenheit oft zu Kritik an immer weiter steigenden Beiträgen, negativer Berichterstattung und schließlich zu unzufriedenen Kunden und weniger Neuzugängen geführt.

Unisex bremst Anpassungen

Andererseits sind die privaten Krankenversicherungen in den letzten zwei Jahren, seit Einführung der Unisex-Tarife Ende 2012, mit geringeren Beitragssteigerungen ausgekommen. Ein wichtiger Grund ist, dass die neuen Tarife von Beginn an vergleichsweise hochpreisig kalkuliert, aber auch mit Leistungsverbesserungen ausgestattet wurden.

Experte Gottelt nennt eine begrüßenswerte Entwicklung: “Extrem günstige Tarife, die mit abgespeckten Leistungen zuerst neue Kunden locken sollten, dann aber verstärkt von Preissteigerungen betroffen waren, haben viele Versicherungen aus ihrem Portfolio gestrichen.”

Ein Dossier zur privaten Krankenversicherung mit Tipps zum Wechsel, Übersicht der Testsieger, Hintergründe und Checklisten hat das 1A Verbraucherportal hier im Internet zusammengestellt. Das Tochterportal zur PKV enthält hier im Internet detaillierte Informationen über rund 40 private Krankenversicherer und deren einzelne Beitragsanpassungen.

Leitlinien für Tarifwechsel beachten

Es lohnt sich für Kunden und deren Betreuer zu prüfen, ob auch Tarifwechsel nach § 204 VVG in Frage kommen. Hierfür gibt es beim PKV-Verband die Leitlinien für einen Tarifwechsel. Versicherungsmakler und Vermittler können dies, teils haftungssicher, auf spezialisierte Dienstleister gegen Honorar auslagern.

Dietmar Braun