Japan – Etwas besser, aber nicht gut

Foto: © filipefrazao - Fotolia.com

Die jüngsten Konjunkturdaten aus Japan zeigen eine leichte Verbesserung der Lage. Der Grundtrend bleibt allerdings schwach, wie die Wachstumszahlen zum 3. Quartal zeigten: Die erste Schätzung lieferte mit einem Plus von 0,5% zum Vormonat und + 2,2% annualisiert eine faustdicke Überraschung. Es lag damit nicht nur klar über dem Vorquartal mit 0,2% (annualisiert 0,7%), sondern auch den Erwartungen (Konsens 0,3% zum Quartal bzw. 1% annualisiert).

Die Ergebnisse der großen Aggregate decken allerdings auch die Schwächen auf: Konsum und private Investitionen trugen buchstäblich nichts zum Ergebnis bei. Der flaue Konsum hatte sich bereits durch die schwachen Daten der Haushaltsausgaben angekündigt und überrascht kaum. Die schwarze Null bei den privaten Investitionen stellt dagegen schon einen Fortschritt dar nach einer Reihe von Rückgängen.

Beim Staat ergab sich ebenfalls Stagnation, wobei ein etwas höherer staatlicher Konsum durch sinkende Investitionen ausgebremst wurde. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, hinter dieser Konstellation die Strukturprobleme zu erkennen: Die wachsende Überalterung treibt die als Konsum anzusehenden Sozialkosten nach oben und engen damit den Spielraum für die Investitionen ein.

Tatsächlich ist das Ergebnis praktisch vollständig auf das anziehende Geschäft mit dem Ausland zurückzuführen. Japan lebt nach wie vor vom internationalen Handel. Da wirkt es allerdings umso bedrohlicher, als die Exporte selbst in den Handelsbilanzen der letzten Monate durchgängig rückläufig waren. Per Oktober blieb der Überschuss unverändert bei rund 500 Mrd. Yen stehen, erwartet wurden 615 Mrd. Yen. Der Exportwert fiel dabei zum 13. Mal in Folge (- 10,3% zum Vorjahr) und damit stärker als erwartet (Konsens – 8,6%). Die Importe fallen auch. Die Ölimporte haben sich weiter verbilligt, allerdings kommt hier auch die schwächere Binnennachfrage zum Tragen. Der Einkaufsmanager-Index der verarbeitenden Industrie gibt weiter nach und nähert sich mit zuletzt 51,1 Punkten (Vormonat 51,7 Punkte) langsam wieder der Schwelle zur Schrumpfung bei 50 Punkten.

Diese Schwäche vor allem des privaten Konsums ist auch im laufenden Quartal erkennbar, die Haushaltsausgaben wiesen im November den 8 Monat in Folge mit – 0,4% (Vormonat – 2,1%, jeweils zum Vorjahr) rückläufige Zahlen aus, die verfügbaren Einkommen der Haushalte sind ebenfalls gesunken. Entsprechend registrierten auch die Einzelhändler den 8. Monat in Folge mit rückläufigen Umsätzen, zuletzt um – 0,1% zum Vorjahr.

Trotz dieser eher dürftigen Perspektiven der Wirtschaft hat die Börse deutlich zugelegt, seit Anfang Juli um etwa 20%. Dazu kommt ein Zuwachs beim Yen. Dahinter stehen mehrere Gründe: Der Yen und japanische Papiere fungieren in Asien als sicherer Hafen, was vor dem Hintergrund des Zinsanstiegs in den USA zu starken Zuflüssen führt. Hinzu kommt die ultra-expansive Politik der Notenbank mit großen Aufkäufen von Staatsanleihen durch die Notenbank und negativen Leitzinsen, die die Aktienmärkte durch die Liquidität antreibt. Die Kursgewinne stehen also auf dünnem Eis, vor allem die fragwürdige Lage der Staatsfinanzen (Staatsschuldenquote bei 250% vom BIP) könnte auf die Stimmung schlagen und die Kursgewinne so schnell schmelzen lassen wie sie entstanden sind.

Daher sollte aus unserer Sicht Japan allenfalls neutral gewichtetet werden.