Fantastisches Jahr für Emerging-Markets-Anleihen

Robert Reichle, Portfoliomanager, Berenberg

Die Performance von Hartwährungsanleihen aus den Schwellenländern liegt für Euro-Anleger in den ersten acht Monaten dieses Jahres im zweistelligen Bereich. Dies hält Robert Reichle, Manager des Publikumsfonds Berenberg Emerging Markets Bond Selection, für durchaus gerechtfertigt.

Sowohl externe als auch interne Faktoren haben sich für die aufstrebenden Volkswirtschaften im Laufe des Jahres deutlich verbessert. Eine Fortsetzung dieses fundamentalen Aufschwungs hält er für wahrscheinlich. Die größte Gefahr für den Markt sieht der Fondsmanager in Gewinnmitnahmen von zufriedenen Investoren, sollte es an den Kapitalmärkten wieder holpriger werden. Im vierten Quartal 2015 wurden die Emerging Markets noch schlecht geredet. Entsprechend enttäuschend war der Jahresstart von Anleihen, aber auch von Aktien aus den aufstrebenden Staaten. Investoren waren verunsichert über China, die Rohstoffmärkte und die Politik der US-Notenbank. Das hat sich im Laufe dieses Jahres geändert. „Die Emerging Markets sind zurück. Sowohl die externen als auch die internen Faktoren haben sich aus Investorensicht deutlich verbessert“, sagt Robert Reichle. Die amerikanischen Währungshüter sprechen zwar aktuell wieder von Zinserhöhungen, haben es bislang aber bei dem einen Zinsschritt im Dezember 2015 belassen. China ist noch in einem Modus der Wachstumsverlangsamung, stabilisiert sich aber. Die Rohstoffpreise, vor allem von Öl, haben sich von ihren Tiefständen deutlich erholt und damit zur guten Performance der Emerging Markets beigetragen.

Brexit-Referendum kommt Emerging Markets zugute

Auch das Brexit-Referendum hat den Märkten nicht geschadet. Im Gegenteil. „Nach einem kurzfristigen Performancerückschlag, der nur zwei Tage dauerte, gab es eine kräftige Rally für Schwellenländeranleihen“, sagt Reichle. Das EU-Votum hat damit die Kurse genau entgegen der Richtung getrieben, die viele Marktteilnehmer befürchtet hatten. Reichle: „Es hatte sich schnell herauskristallisiert, dass ein EU-Austritt Großbritanniens eher die entwickelten Volkswirtschaften belasten könnte, warum also nicht lieber in die Emerging Markets investieren?“ Neben diesen externen Treibern gab es auch interne Effekte. „Die fundamentalen Daten in den Emerging Markets haben sich nach Jahren der Dürre verbessert. Die Länder sind wieder wettbewerbsfähiger“, urteilt Reichle. In vielen Staaten gab es Strukturreformen, die erste Früchte tragen. Reichle hält die Anleihemärkte in Emerging Marktes insgesamt daher wieder für vielversprechend. Der Blick auf die Unterschiede in den einzelnen Ländern lohnt sich aber seiner Ansicht nach unbedingt.

Mexiko, Indonesien und die Dominikanische Republik überzeugen besonders

Auch in der Zusammensetzung des Berenberg Emerging Markets Bond Selection spiegelt sich die Erholung in den Emerging Markets wider. Der Fonds wird über ein quantitatives Modell gesteuert, Fundamentaldaten stehen im Vordergrund. Im Laufe des Jahres ist die Zahl der Länder gestiegen, die es ins Portfolio schaffen. „Bei unseren Favoriten hat sich aber wenig geändert“, so Reichle. Staaten wie Indonesien, Mexiko und die Dominikanische Republik werden weiterhin favorisiert. Diese Länder bieten ein vielversprechendes Wachstumspotenzial, da in Mexiko bereits wichtige Reformen angestoßen wurden und Indonesien sich diesbezüglich weiter öffnet. In der Dominikanischen Republik überzeugen die stark steigenden Tourismuszahlen, aber auch die Agrarproduktion hat in den vergangenen ein bis zwei Jahren deutlich zugelegt. Russland und die Türkei hat Reichle hingegen nur schwach gewichtet. Von Staaten mit hohen Ausfallrisiken wie die Ukraine und Venezuela lässt ihn das quantitative Modell ganz Abstand nehmen. „Zwar verzichten wir hier aktuell auf Performance, ein geringeres Risiko ist uns aber wichtiger“, sagt der Fondsmanager. Er investiert ausschließlich in Anleihen in Hartwährung. Diese hatten bereits im ersten Quartal ein gutes Ergebnis erzielt. „Anleger trauen sich meist erst in Anleihen in Hartwährung, Mitte des Jahres gab es dann einen Investitionsschub in die Lokalwährungsan-leihen, und in den letzten Wochen und Monaten ist auch das Interesse an Aktien wieder gestiegen“, sagt Reichle.

Raum für weitere Spread-Einengungen vorhanden

Für Hartwährungsanleihen hat sich die gute Entwicklung im zweiten und dritten Quartal fortgesetzt. „Die Kapitalzu-flüsse sind gestiegen. Viele Investoren beobachten den Markt etwas länger und haben erst nach der ersten Erholung wieder Vertrauen gefasst“, erklärt der Fondsmanager. Auf Euro-hedged Basis hat der globale Index für Hartwährungs-Schwellenländeranleihen bis Ende August ein Plus von rund 13 Prozent in diesem Jahr erzielt. Die Renditen der Anleihen sind entsprechend zurückgegangen. Zurzeit rentieren Hartwährungsanleihen im Durchschnitt mit rund 5 Prozent. Das ist ein Risikoaufschlag (Spread) von 340 bis 350 Basispunkten auf US-Staatsanleihen. Reichle sieht durchaus noch Raum für weitere Spread-Einengungen, die eventuell steigende US-Renditen kompensieren könnten. „Auslöser hierfür kann eine Verbesserung der globalen Wirtschaftslage sein. Wenn die Zinsen in den USA langsam steigen, spricht das für eine fundamentale Erholung, die sich auch positiv in den Emerging Markets widerspiegeln sollte und mittelfristig zu einer Aufwertung der Kreditwürdigkeit der Länder führen könnte.“ Das größte Risiko für die Asset-Klasse sieht der Fondsmanager im aktuellen Erfolg der Anleihen: „Investoren könnten Gewinne mitnehmen, vor allem wenn kurzfristig die Volatilität und die Risikoaversion ansteigt.“ Allerdings rechnet er dann mit stärkeren Verkäufen im risikoreicheren Markt für Lokalwährungsanleihen. Für das nächste Jahr müs-sen Anleger ihre Erwartungshaltung wohl wieder etwas herunterschrauben, meint Reichle. Die Performance für Emerging-Markets-Hartwährungsanleihen erwartet er dann eher im Bereich von 4 bis 6 Prozent.

Der Fonds und seine Anteilklassen im Überblick:
Fonds: Berenberg Emerging Markets Bonds Selection (Anteilklasse R) Berenberg Emerging Markets Bonds Selection (Anteilklasse I)
WKN / ISIN A1C2XK / DE000A1C2XK8 A1C2XJ / DE000A1C2XJ0
Auflegungsdatum: 04. Oktober 2010
Fondsmanager: Robert Reichle (seit Auflage)
Fondswährung: EUR
Gesamtfondsvermögen: 118 Mio. EUR
Ausgabeaufschlag: derzeit 5,00 % derzeit 0 %
Verwaltungs-, Verwahrstellen- und Asset Management-Vergütung: derzeit 1,30 % p.a. derzeit 0,67 % p.a.
Morningstar RatingTM

Stand: 31. August 2016 www.berenberg.de