Dividendenstrategien – Stabilitätsanker fürs Depot?

Helen Windischbauer, Leiterin Aktien bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen / Foto: © Huber, Reuss & Kollegen

Mit einer Dividendenstrategie lassen sich die Erträge eines Aktienportfolios stabilisieren und die Bedeutung der Kursentwicklung reduzieren. Wie gut eine solche Strategie im aktuellen Marktumfeld funktioniert, erläutert Helen Windischbauer, Leiterin Aktien bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen aus München, im Interview.

finanzwelt: Was ist im aktuell schwierigen Marktumfeld denn von Dividendenstrategien grundsätzlich zu halten?

Helen Windischbauer: Das aktuell schwierige Marktumfeld beruht in erster Linie auf Wachstumssorgen bzw. der Furcht vor einer Rezession. In einem solchen Umfeld können Dividendenwerte, welchen ja häufig ein sehr stabiles Geschäftsmodell zugrunde liegt, ein Stabilitätsanker im Depot sein. Hinzu kommt, dass in den USA die US-Notenbank Fed wohl nicht mehr so stark an der Zinsschraube drehen wird. Nachdem die Fed 2018 vier Mal die Zinsen erhöht hatte, rechnen Investoren für 2019 nur noch mit maximal zwei Zinsschritten. Dies nimmt Druck von Dividendentiteln, die unter steigenden Zinsen tendenziell leiden. Letztlich kommt es aber natürlich auf die unternehmensspezifischen Entwicklungen an. Der schönste Dividendenwert kann an der Börse abstürzen, wenn das Unternehmen die Erwartungen nicht erfüllt.

finanzwelt: Wo liegen besondere Risiken?

Helen Windischbauer: Die Risiken liegen in der konjunkturellen Entwicklung. Aus dem weltweiten Aufschwung, der noch Anfang 2018 zu sehen war, ist ein synchroner globaler Abschwung geworden. Insbesondere der anhaltende Handelskonflikt zwischen den USA und China belastet aufgrund der weitverzweigten Lieferketten weltweit die Märkte. Sollte der Konflikt im März weiter eskalieren und die USA die Zölle auf importierte Waren von zehn auf 25 Prozent erhöhen, würde dies die Weltwirtschaft weiter schwächen. Aus jetziger Sicht gehen wir allerdings nicht von einer globalen Rezession, sondern lediglich von einer Wachstumsverlangsamung aus. Ein zweites Risiko betrifft die Notenbanken. Sollten Fed, EZB und Co. den Märkten noch mehr Liquidität entziehen und die Zinsen stärker als erwartet anheben, würde dies die Börsen stark treffen.

finanzwelt: Ist für eine langfristige Dividendenstrategie das Umfeld überhaupt entscheidend?

Helen Windischbauer: Das Umfeld sollte bei jeder Anlageentscheidung betrachtet werden, das gilt auch für Dividendenstrategien. Wer wirklich langfristig, also länger als zehn Jahre, in Dividendenwerte investieren und dabei erfolgreich sein möchte, sollte allerdings auf ein paar spezifische Aspekte achten. Dazu gehört vor allem die Nachhaltigkeit der Dividenden. Diese ist noch wichtiger als die Höhe der Dividendenrendite. Anleger sollten darauf achten, ob ein Unternehmen in der Vergangenheit regelmäßig Dividenden gezahlt hat, diese auch steigern konnte und wie die aktuelle Geschäftsentwicklung aussieht. In den USA gibt es beispielsweise etliche Unternehmen, die seit Jahrzehnten jedes Jahr die Dividendenzahlung angehoben haben. Procter & Gamble zahlt sogar seit mehr 125 Jahren Dividende. Eine solch lange Historie weist darauf hin, dass das Geschäftsmodell stabil funktioniert und das Unternehmen langfristig erfolgreich ist.

finanzwelt: Wo ist eine Dividendenstrategie im Moment am attraktivsten?

Helen Windischbauer: Traditionelle Dividendenzahler sind Unternehmen aus den Sektoren Versorger, Immobilienunternehmen, Staples und Telekommunikation. Grundsätzlich hat der australische Markt die höchste Dividendenrendite. Hier ist eine Aktienanlage fester Bestandteil der Altersvorsorge. Anleger sollten sich auf Unternehmen aus Industrienationen konzentrieren, da hier die Planbarkeit am höchsten ist. Märkte und Sektoren sind weniger entscheidend.

finanzwelt: Welches Instrument eignet sich am besten für die Umsetzung?

Helen Windischbauer: Einzeltitel sind nur ratsam für Anleger, die sich intensiv mit der Börse und einzelnen Unternehmen auseinandersetzen. Für Privatanleger sinnvoller sind in der Regel aktiv gemanagte Dividendenfonds. Interessant sind auch die sehr günstigen ETFs. So gibt es beispielsweise mehrere Indexfonds auf den DivDAX. Blind zugreifen sollten Anleger hier aber nicht. Sinn macht nur ein ETF auf den DivDAX-Performanceindex, welcher die Dividenden einrechnet. Bei einem Kursindex werden die Dividendenzahlungen nicht berücksichtigt, weshalb Kursindizes generell unattraktiver sind als Performanceindizes.