Die Aktienmärkte im 2. Halbjahr 2016

Carsten Mumm

Fehlende Alternativen zum Aktienmarkt sorgen trotz schwacher Makroparameter für höhere Bewertungen. Das niedrige Leitzinsniveau der wichtigsten Notenbanken (EZB, Fed, Bank of England, Bank of Japan) dürfte auch im zweiten Halbjahr 2016 für eine Unterstützung der Aktienkurse sorgen.

Die sich eintrübenden Makroparameter lassen zwar keinen großen Aufschwung erwarten, letztendlich fehlt es aber an Anlagealternativen. Die zunehmenden politischen Unsicherheiten können dabei immer wieder zu stärkeren Korrekturen führen, die allerdings nicht nachhaltig sein sollten. Die Gewinne der Unternehmen schwächen sich im laufenden Jahr mit rund zwei Prozent nur marginal ab, verbunden mit Anpassungen der Kostenbasis dürfte deshalb 2017 Raum für höhere Gewinne bestehen, die ab Herbst von den Märkten eingepreist werden könnten. Für Deutschland ergibt sich insgesamt ein weiterhin freundliches Bild. Der Frühindikator ifo-Index konnte mit über 108 Punkten im Juni positiv überraschen. Die Konjunkturaussichten sind angesichts einer zunehmenden Beschäftigung, eines relativ niedrigen Ölpreises und eines, im Vergleich zum US-Dollar, schwachen Euros auch weiterhin gut. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) im DAX von 12,2 – gemessen an einer 5-Jahres-Spanne – sind deutsche Aktien durchaus fair bewertet. In Euroland konnten die zuletzt veröffentlichten Einkaufsmanager-Indizes grundsätzlich zufriedenstellende Werte verzeichnen, in den Kernländern Frankreich und Italien lässt die Entwicklung allerdings zu wünschen übrig. Der Trend zur Mehrbeschäftigung, auch in den Peripherieländern, hält an. Ein großes Fragezeichen hinterlässt der Brexit, denn der potenzielle Rückzug eines Kernstaates aus dem Binnenmarkt wird die zukünftige Entwicklung innerhalb Europas belasten. Die Lage am US-Arbeitsmarkt bleibt weiterhin solide. Allerdings drücken steigende Löhne auf die aktuell hohen Gewinnmargen der Unternehmen und könnten zukünftig zu Gewinnrevisionen mit entsprechend negativen Folgen für das Gewinnwachstum führen. Historisch gesehen sind US-Aktien mit einem S&P 500-KGV von 17,5 bereits relativ teuer. Der für 2016 flach erwartete Leitzinserhöhungspfad sollte eine weitere KGV-Steigerung zumindest begrenzen. Die Wachstumsschwäche in Japan ist mittlerweile manifestiert und dürfte sich angesichts der Yen-Stärke im 2. Halbjahr noch verstärken. Aktien aus den Emerging Markets sind nach den Kursverlusten von 2015 und dem ersten Halbjahr 2016 wieder interessant. Die leicht auflebende Wachstumsdynamik wird durch Bewertungsvorteile der lokalen Währungen gegenüber dem US-Dollar und vor allem dem Euro gestützt. Die einsetzende Stabilisierung und der weiterhin günstige Ölpreis wirken in den Rohstoff exportierenden Staaten wie ein Konjunkturprogramm, weil sie die dort ansässige Exportwirtschaft wieder in Gang setzen. Steigende Steuereinnahmen helfen im zweiten Schritt dann auch der Binnenkonjunktur. Wachstumsträger könnte, neben China, abermals Indien werden. Auch in den Tigerstaaten hat sich das Bild verbessert. Positive Veränderungen in Lateinamerika und Russland, zwei großen Wirtschaftsräumen mit extremer Abhängigkeit zum Rohstoffsektor, dürften letztendlich entscheidend sein. Wir erwarten dies zwar erst in 2017, die Kapitalmärkte werden entsprechende Anzeichen aber zügig einpreisen.

Kommentar von Carsten Mumm, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Privatbank Donner & Reuschel

www.donner-reuschel.de