Der Erfolgsfaktor ist der Vertriebspartner

Herbert Behr, Dr. Hendrik Müller-Lankow, Hans-Peter Hierse (v. l. n. r.)

Wenn die Börsen fallen, wird der Ruf nach Sachwerten laut. Aber das sind nicht die einzigen Argumente. In jedem ausgewogenen Portfolio stecken Sachwerte. Wie das abgebildet werden kann, wie man die Guten von den Schlechten unterscheidet und warum auf dem Vertrieb eine große Verantwortung lastet: Darüber sprechen beim finanzwelt-Roundtable Hans-Peter Hierse, Vertriebsdirektor der DEGAG Deutsche Grundbesitz AG, Dr. Hendrik Müller-Lankow, Vorstand der MLC Properties AG und Herbert Behr, Vorstand der Golden Gates AG mit dem Chefredakteur Lenard von Stockhausen.

finanzwelt: Die Börsen brachen mehrfach in den letzten Wochen aufgrund des Coronavirus so stark ein, wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Sind die Aktienmärkte zurzeit übersensibel?
Dr. Hendrik Müller-Lankow: Die Aktienmärkte sind historisch generell sehr hoch bewertet. Nicht nur absolut, sondern auch relativ in Bezug auf die Unternehmensgewinne. Vielleicht sollte man da nicht von Übersensibilität sprechen, sondern von einer logischen Folge der Vergangenheit.
Hans-Peter Hierse: Durch das Coronavirus ist eine gehörige Portion Angst im Spiel. Sowohl bei den Anlegern als auch bei den Verantwortlichen. Da finden natürlich jetzt Reaktionen statt, die, wenn das Coronavirus nicht im Raum stehen würde, nicht stattfinden würden. Man sieht ja, dass die Menschen auch anderswo panisch reagieren. Bei uns in Hannover war vor Weihnachten vier Wochen lang jeden Tag eine 50 Meter lange Schlange vor Degussa – und das von morgens halb zehn bis abends um 18 Uhr.
Herbert Behr: Das Coronavirus ist etwas, was einen persönlich angreift. Die anderen Krisen waren weit weg. Aber jetzt betrifft es praktisch jeden. Das erzeugt natürlich Ängste. Alle, die Angst haben, verkaufen jetzt. Das gab es beim Gold schon vor vielen Jahren: Wenn der Preis mal ein bisschen rutscht, dann verkaufen plötzlich alle. Und irgendwann nutzen die niedrigen Kurse wieder einige zum Einkauf. Viele Medien befeuern natürlich noch diese Panikverkäufe.

finanzwelt: Ereignisse wie die Subprime Krise, Griechenland oder auch jetzt Corona zeigen, dass Aktien, egal welcher Klasse, doch korrelieren?
Hierse: Im Aktienmarkt sieht man immer wieder, dass verbunden mit Angst, Korrelationen entstehen, von denen man zuvor niemals ausging. Aber letztendlich reagiert der Aktienmarkt sehr sensibel.  Und bei der Volatilität in den Märkten zurzeit steigt die Wahrscheinlichkeit dafür, dass solche starken Kursschwankungen entstehen. Und viele Firmen werden durch Corona finanzielle Probleme bekommen. Das sieht man ja schon beim Corona-Bier: Weil der Name „Corona“ jetzt negativ belegt ist, ist da der Umsatz um 80 % zurückgegangen. Überhaupt nicht zu begreifen. An den Panikkäufen in den Läden sieht man ja, dass auch wir Deutsche irrational handeln. Oder hätten Sie sich das in Deutschland vor einem halben Jahr vorstellen können?
Behr: Wobei es natürlich so ist, dass letztendlich alle Branchen davon betroffen sein werden. Ich glaube, dass der Aktionär deswegen erstmal pauschal alles verkaufen wird. Das hat vielleicht mit der eigentlichen Ursache weniger zu tun. Massenhysterie will ich jetzt nicht sagen, aber eben das Bedürfnis, auf Nummer sicher gehen zu wollen. Wirtschaftlich ist das in manchem Bereich sicherlich klarer. Aber wir im Edelmetallbereich sind eventuell genauso betroffen.

weiter auf Seite 2