Das lange Warten auf den Erfolg

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Dass auf lange Sicht erfolgreiche Investmentfonds mehr oder weniger lange Durststrecken überstehen müssen, in denen sie ihrer Benchmark hinterher laufen, wird niemanden überraschen. Die Frage ist nur, wie lange sollten Anleger sinnvollerweise warten, um zu entscheiden ob ein gegebener Fonds sich zu den Loosern gehört und aus dem Portfolio verschwinden muss oder als mutmaßlicher Gewinner behalten wird Anders gefragt: Wo ist die Grenze, an der vernünftige Geduld in sinnloses Füttern toter Kühe umschlägt? Dieser Frage sind Morningstar – Analysten nachgegangen. Grundlage waren die Daten von 5.500 aktiv gemanagten Aktien- Investmentfonds, die in der Zeit von 2003 bis Ende 2017 am Markt waren, also über 180 Monate oder 15 Jahre.

Ergebnis: Erstaunlich starke rund zwei Drittel der Fonds (3790) haben auf die volle Zeit gerechnet ihre Benchmark geschlagen, was ein deutlich besseres Bild ist als sich bei den Performance-Analysen in kürzeren Zeiträumen ergibt: Will sagen: Auf die ganz lange Sicht sind die aktiven deutlich besser als ihr Ruf. Allerdings mussten die Anleger bei den Gewinnern Phasen von bis zu 11 Jahren ertragen, in denen die jeweiligen Fonds schlechter liefen als die Benchmark. Umgekehrt finden sich bei den über die volle Zeit schwächer als die Benchmark abschneidenden Fonds Perioden von bis zu 12 Jahren, in denen sie besser als ihre Benchmark abschneiden.

Die Morningstar-Analysten ziehen daraus (unter anderem) den Schluss, dass die bei Fondsvergleichen und Performance-Analysen zugrunde gelegten Standard-Horizonte von 3, 5 oder 10 Jahren viel zu kurz („… far too short“) seien, um Fonds angemessen beurteilen zu können. Anleger und Portfoliomanager müssten mit weiter gefassten Zeithorizonten arbeiten.

Die ganze Untersuchung hat zunächst einen technischen Schwachpunkt: Der gesamte Zeitrahmen (hier 15 Jahre 2003-2017) ist letztlich immer willkürlich gewählt. Ein anderer Zeitrahmen, etwa mit 10 Jahren (2008-2017)  oder auch volle 20 Jahre (1998-2017) dürfte abweichende Ergebnisse erbringen, beginnend bei der Zuordnung der einzelnen Fonds zu den Kategorien „ultimativer Gewinner“ oder „ultimativer Verlierer“, an der die ganze Analyse hängt.

Man kann diesen verzerrenden Bezug zum Gesamtrahmen umgehen, in dem man einfach nach dem Verhältnis Perioden von „underperformance“ zu „outperformance“ fragt. Dann dürfte sich aber zeigen (so viel scheint uns aus den vorliegenden Daten erkennbar), dass relativ kurze Perioden die entscheidenden Gewinne oder Verluste bringen, von denen die Gesamtperformance auf die lange Sicht abhängt.

Fazit: 10 Jahre oder mehr zu riskieren um auf ein positives Gesamtergebnis zu warten, ist ein bisschen arg viel verlangt. Verglichen damit ist Keynes Einsicht der zufolge wir auf lange Sicht vor allem alle tot sind, doch wesentlich wichtiger. Den Bedürfnissen normaler Menschen (Anleger) ist mit drei bis fünf Jahren besser gedient. (mk)