Chancen und Gefahren im Jahr 2018

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2017 war einerseits ein ereignisloses Jahr, in dem die Aktien- und Anleihemärkte ihren Aufwärtstrend fortsetzten. Andererseits gab es mehrere makroökonomische Entwicklungen und Marktereignisse, die die nahezu jahrzehntelange Hausse aushebeln hätten können. Dazu zählten die weiterhin schwierigen Brexit-Verhandlungen, die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, die politische Unsicherheit in Deutschland, die Unruhen in der spanischen Region Katalonien, die Zinserhöhungen in den USA und natürlich Nordkorea.

Wie werden sich die Märkte 2018 entwickeln und was hält die Weltwirtschaft für die Anleger bereit? Das positive Wachstum, die akkommodierenden Finanzierungsbedingungen und die freundliche Stimmung deuten darauf hin, dass 2018 ein zweites Jahr mit einem synchronisierten globalen Wachstum über dem Trend werden könnte. Die Inflation wird jedoch ein zentraler Punkt sein, da sie das Tempo und den Umfang der künftigen geldpolitischen Normalisierung bestimmt. Die Mitglieder der Anlagestrategie-Gruppe von SYZ Asset Management untersuchen wichtige Schlüsselfaktoren, die die Erträge der Anleger im neuen Jahr beeinflussen könnten. Dabei konzentrieren sie sich auf das makroökonomische Umfeld sowie die Bewertungen und Risiken von Anlagen.

Makroökonomische Analyse

Aus makroökonomischer Sicht gibt es viele Faktoren, die die Weltwirtschaft beeinflussen könnten. Doch unserer Meinung nach sind die Inflation und die Geopolitik die größten Bedrohungen für Risikoanlagen im Jahr 2018.

  1. Die Inflation ist im letzten Jahrzehnt trotz der außerordentlich expansiven Geldpolitik hartnäckig niedrig geblieben. Zum großen Teil ist dies auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, wie den demografischen Wandel, die Globalisierung oder technologische Innovationen. Darüber hinaus waren die Auswirkungen der Finanzkrise auf das Wachstum weiterhin zu spüren und lassen in Europa erst seit kurzem allmählich nach.

Im derzeitigen, vorteilhafteren wirtschaftlichen Umfeld deuten die Zentralbanken jetzt eine Normalisierung ihrer Geldpolitik an, wobei die US-Notenbank die Führung übernommen hat. Angesichts der Unterstützung, die in den letzten Jahren von dieser expansiven Geldpolitik für Risikoanlagen ausging, werden die Märkte höchst empfindlich auf Nachrichten reagieren, die die Zentralbanken dazu veranlassen könnten, schneller vorzugehen als erwartet. Deshalb könnte selbst eine nur etwas höhere Inflation eine plötzliche Neubewertung an den Aktien- und Kreditmärkten auslösen. Anleger sollten sich dieses Risikos bewusst sein und ihre Portfolios entsprechend absichern.

2. Die Geopolitik ist der andere Problembereich. Bis Mitte 2018 werden die Bedingungen der Brexit-Vereinbarung (oder das Scheitern der Verhandlungen) feststehen. Sollte es letztlich zu einer ungeregelten Trennung kommen, würde dies sicherlich die Risikoaversion gegenüber Großbritannien schüren und könnte weitreichendere Auswirkungen auf die Region haben. Die Wahlen in Italien sind ein weiterer wichtiger Punkt auf dem Kalender der Risikoereignisse im Jahr 2018. Zum jetztigen Zeitpunkt könnten die Wahlen tatsächlich in alle möglichen Richtungen führen. Dieser Grad  der Unsicherheit – in einer der höchstverschuldeten Volkswirtschaften der Welt – ist möglicherweise kein gutes Omen für Risikoanlagen. Nicht zuletzt wäre ein Konflikt auf der koreanischen Halbinsel oder im Nahen Osten nahezu mit Sicherheit ein negatives Ereignis. In unserem Basisszenario sehen wir keine dieser Situationen als wahrscheinlich an. Doch die mangelnde Prognostizierbarkeit und die mehr als begrenzte Wahrscheinlichkeit einer Fehlberechnung sind Faktoren, die in Asset-Allocation-Entscheidungen von Anlegern einfließen sollten.

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