Bei der Postbank geht die Post ab

Die Deutsche Bank trennt sich organisatorisch von der Postbank. Wer da wem einen Gefallen tut zeigt sich. Die Deutsche Post beherrscht das Bankgeschäft mit Privat- und Firmenkunden bestens.

2016-03-23 (fw/db) Die Deutsche Postbank AG meldet für das Geschäftsjahr 2015 gute Ergebnisse. Vor Steuern erzielte die Bank einen Ergebniszuwachs von 213 auf 582 Millionen Euro und das ohne die Zahlen aus den aufgegebenen Geschäftsbereichen. Auch um wesentliche Sondereffekte bereinigt stieg das Ergebnis vor Steuern spürbar um knapp 10 Prozent von 477 auf 522 Millionen Euro.

Auf Basis des guten Geschäftsverlaufs hat sich die Postbank im abgelaufenen Jahr in wesentlichen finanziellen und bilanziellen Kennziffern also positiv weiterentwickelt. So wuchs die Rendite auf das Eigenkapital abzüglich immaterieller Vermögenswerte nach Steuern von 6,1 auf 13,0 Prozent. Die Eigenkapitalrentabilität stieg von 6,9 Prozent auf 8,8 Prozent. Die harte Kernkapitalquote stieg auf 11,4 Prozent, die Leverage Ratio der Postbank liegt mit 3,4 Prozent erstmals und deutlich über der Drei-Prozent-Marke.

Mit Kostendisziplin sei es gelungen, den Verwaltungsaufwand auf 2.724 Millionen Euro weiter zu senken – trotz steigender Belastungen zur Erfüllung regulatorischer Anforderungen sowie zusätzlicher Aufwendungen zur Entflechtung von der Deutschen Bank AG. Zudem konnte die Postbank weiter Risiken abbauen, dadurch sank die Bilanzsumme von 155,4 auf 150,6 Milliarden Euro.

“2015 war ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr. Unser Geschäftsmodell als Bank für Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden unter dem Leitsatz ‚digital und persönlich’ erweist sich als nachhaltig stabil. Trotz des Niedrigzinsumfeldes, weiterhin gestiegener regulatorischer Anforderungen und einer für die Finanzbranche insgesamt volatilen Lage konnten wir uns bei wesentlichen Kennziffern verbessern. Die Postbank ist rentabel, hat ihre Kernkapitalquote deutlich gesteigert und macht gute Fortschritte, ihre Kapitalkosten zu verdienen. Insbesondere das margenstarke Kreditgeschäft wollen wir weiter ausbauen und unseren Einlagenüberhang für weiteres Wachstum nutzen. Klar ist aber auch, dass wir weiter unsere Hausaufgaben machen müssen, um künftig den Anforderungen des Kapitalmarktes noch besser gerecht werden zu können”, sagt Frank Strauß, Vorstandsvorsitzender der Postbank.

Wachstumsimpulse kamen in 2015 aus dem Kreditgeschäft sowohl im Privatkundengeschäft, wie im Finanzierungsgeschäft mit den Firmenkunden. Das Neugeschäft in der Baufinanzierung erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Das Wachstum beim Neugeschäft mit Ratenkrediten stieg um 12 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Neu vergebene Finanzmittel für Firmenkunden wuchsen um 17 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Die Immobilienfinanzierungen im gewerblichen Sektor stiegen um 15 Prozent auf stolze 2,8 Milliarden Euro.

Erfolgreich entwickelten sich Neugeschäftsabschlüsse über digitale Kanäle. Die Anzahl der digital eröffneten Girokonten stieg um rund 19 Prozent, das Volumen der digital abgeschlossenen Ratenkredite wuchs um mehr als acht Prozent. Insgesamt wurden im Geschäftsjahr 2015 über 380.000 neue private Girokonten eröffnet. Damit führt die Postbank 5,25 Millionen Girokonten und bleibt unangefochten größter Anbieter im deutschen Markt.

Eigenständigkeit der Postbank kommt voran
“Mit der Vorbereitung unserer strukturellen Eigenständigkeit nehmen wir den nächsten Schritt in unserer Unternehmensgeschichte ins Visier. Für diesen weiteren Weg haben wir mit der Postbank Zukunftsagenda einen klaren Plan. Unser Ziel bleibt es, für unsere Kunden die ‚Bank fürs Leben’ zu sein. Wir wollen ihnen ein fairer und verlässlicher Partner sein, sowohl für finanzielle als auch postalische Dienstleistungen. Vor allem aber wollen wir wachsen, unsere Effizienz steigern und erfolgreich sein. Die Digitalisierung wird hier ein wesentlicher Treiber sein”, so Strauß.

Um die Organisation auf die Umsetzung der Postbank Zukunftsagenda auszurichten, hat der Aufsichtsrat der Deutsche Postbank AG zum Dezember 2015 strukturelle Veränderungen im Vorstand beschlossen. Mit dem neu geschaffenen Ressort “Firmen und Märkte” wird der Fokus auf das Mittelstandsgeschäft, die Immobilienfinanzierung sowie das Engagement an den Finanzmärkten im Vorstand neu verankert.

Im Zuge der Entflechtung von der Deutschen Bank hat die Postbank das neue Ressort “IT/Operations” geschaffen, in das neben der IT u.a. die Postbank Servicegesellschaften wieder eingegliedert wurden. Ein “Chief Digital Office” auf Bereichsvorstandsebene wurde eingerichtet, damit die Digitalisierung der gesamten Postbank gelingt.

Beim Ausblick für 2016 erwartet die Postbank trotz einer geplanten positiven operativen Entwicklung ein um Sondereffekte bereinigtes moderat rückläufiges Vorsteuerergebnis. Unter Berücksichtigung der Sondereffekte aus 2015 und der geplanten Investitionen in ihre Zukunftsagenda erwartet die Postbank für 2016 einen Rückgang des Ergebnisses vor Steuern um einen niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag, der sich auch im Konzerngewinn nach Steuern niederschlagen wird.

Die Bilanzsumme der Postbank lag am Jahresende 2015 mit 150,6 Milliarden Euro um 3,1 Prozent unter dem Vorjahreswert von 155,4 Milliarden Euro. Auf der Aktivseite der Bilanz hat die Postbank den Abbau der Finanzanlagen weiter vorangetrieben. Die Struktur der Passivseite wurde entsprechend angepasst. Neben den Verbrieften Verbindlichkeiten reduzierten sich auch die Kundeneinlagen.

Dietmar Braun