Aus Grau mach Grün

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EU-Taxonomie, Offenlegungsverordnung und Nachhaltigkeitspräferenzabfrage – die Europäische Union will ihren Green Deal fokussiert vorantreiben. Davon ist an vielen Stellen vor allem der Finanzsektor betroffen. Besonders die Immobilienbranche steht damit aber auch vor besonderen Herausforderungen. Wie kann sie dem Green Deal gerecht werden?

Die Sachverständigengruppe der Europäischen Union hat ermittelt, dass Gebäude ca. 30 % der Treibhausgasemissionen in der EU ausmachen. Laut der JLL Studie „Decarbonizing Cities and Real Estate“ verursachen Immobilien allein in Städten weltweit sogar 60 % der CO2-Emissionen. Und während viele Städte sich sportliche Klimaziele gesteckt haben, fehlen die entsprechenden Maßnahmen. Die Studie zeigt eine große Lücke zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Klimaschutz, der Immobilienbranche und den städtischen Klimaschutzmaßnahmen auf. Besonders der Altbestand an Gebäuden stellt große Herausforderungen dar. Frank Wojtalewicz, Vorstand der d.i.i. Deutsche Invest Immobilien AG, ist der Meinung, dass eine Energiewende gar nicht ohne die Immobilienwirtschaft zu schaffen sei. „Und es muss schnell gehen, bis 2030 haben wir gerade mal noch hundert Monate. Energieeffiziente Neubauten sind natürlich wichtig, aber viel wichtiger ist der Bestand. Denn die allermeisten Häuser, in denen wir 2030 und auch 2050 wohnen werden, sind längst gebaut. Es muss Tempo gemacht werden, damit die energetische Sanierung vorankommt“, so Wojtalewicz. Doch wie realistisch ist eine schnelle ESG-Sanierung von Bestandsimmobilien? Branchenkenner wissen um die Komplexität der Materie. Viele Faktoren spielen dabei eine Rolle. Zwar gibt es Fördermöglichkeiten von Sanierungsmaßnahmen durch KfW, BAFA oder Steuerboni, doch reichen diese für die Gesamtheit des Bestandes aus? Dr. Carsten Schäfer, Gründer und CEO der immero Real Estate Group, sieht hier Handlungsbedarf. Die Umwelt müsse für kommende Generationen lebenswert bleiben. „Die Branche muss aber auch die notwendigen Rahmenbedingungen gestellt bekommen. Sie kann es nicht allein stemmen. Immobilien sind keine bedingungslose Goldgrube, wie einige meinen. Es ist ein unternehmerisches Betätigungsfeld mit den zugehörigen Risiken, so wie alle anderen Branchen auch“, so Dr. Schäfer. Diesen Rahmen zu schaffen, werde allerdings eine sehr schwierige Aufgabe werden. „Der Altbestand in Deutschland ist energetisch heterogen. Hier eine Benchmark wie im Neubau – wie etwa KFW 40 oder DGNB- und Leed-Programme – einzuführen, ist eine hochkomplexe Aufgabenstellung.“

Weltweit ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele: Bis dahin wollen Städte ihr CO2-Netto-Null-Ziel erreicht haben.

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