Jetzt Banken kaufen? Immer noch nicht!

Die Deutsche Bank baut sich um und die Anleger finden es schlecht. Der Kurs rauscht in den Keller. Was soll das?

Eigentlich sollten die Investoren doch jubeln über ein Unternehmen, das Kosten senkt und Altlasten klärt. Aber sowohl bei der Deutschen wie bei der gesamten Branche ist der Wurm drin.

Denn auch wenn bei der Deutschen Bank jetzt wirklich aufgeräumt wird, die anderen haben das wahrscheinlich noch vor sich. Oder sollte nur die Deutsche Leichen im Keller haben? Das ist unwahrscheinlich. Wahrscheinlich ist, dass die anderen Großbanken nur etwas mehr Zeit haben, per Salamitaktik eine Baustelle nach der anderen zu schließen. Die Deutsche musste angesichts ihres Börsenkurses und des Versagens ihrer früheren Bosse jetzt schnell handeln.

Wer sich also die Finanzbranche anschaut, wird vielleicht nicht immer Rauch sehen. Feuer aber haben sie fast alle unter dem Dach. Die Bilanzen sind aufgebläht, in ihnen schlummern in schön kumulierten Zahlen noch viele Risiken. Es bleibt also eine immense Unsicherheit über die Zukunft der Banken. Da kann auch ein geprügelter Preis für eine Bank immer noch zu teuer sein.

Wenn es ein Investment in Finanztitel sein soll, sind eher die aufstrebenden FinTechs interessant. Sie greifen die Bankosaurier an allen Ecken und Enden an, zerren wie ein Rudel Wölfe vorne, hinten und von allen Seiten. Und irgendwann werden die Angreifer auch eines der schweren alten Tiere erlegen, sich die Reste (Kunden) einverleiben und daran wachsen. Leider gibt es kaum börsennotierte FinTechs, zumindest hierzulande.

Wer in dieses Segment einsteigen möchte, muss dann schon weiter um die Ecke schauen. In den USA führt Paypal einsam die Rangliste der börsenschwersten FinTechs an, Square ist noch dabei oder auch Lending Club. In China sind einige Start-Ups notiert, etwa Lufax oder Zhong An. Und die deutsche Wirecard schafft es auch in die Rangliste der schweren FinTechs.

Jetzt lohnt sich dann aber doch einmal ein Blick in die noch etwas weiter entfernte Zukunft. Längst nicht alle der Start-ups werden sich halten. Viele werden aufgeben, manche gekauft werden, wenige werden zu eigenständigen Playern im Markt. Die etablierten Banken haben eine Marke, Kunden und in der Regel auch ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten, um irgendwann wieder das Ruder zu übernehmen. Nicht alle, aber doch die gesunden und starken. Wenn es also derzeit auch heißt: Finger weg von der Branche, könnte es schon in einigen Jahren wieder anders aussehen. Aber bis dahin muss kein Investor die Schwankungen mitnehmen. Manchmal lohnt es sich, einfach abzuwarten.

Einsteigen könnte sich höchstens für hartgesottene Trader lohnen, die starke Schwankungen schätzen und die Papiere ohnehin nur als das sehen, was sie sind: Spekulationsobjekte.


Autor: Uwe Zimmer, Vorstand der Vermögensverwaltung Meridio AG