Einzelhandel erfreut sich bester Gesundheit

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Der häufig vorhergesagte „Tod des Einzelhandels“ aufgrund des zunehmenden Online-Handels ist Schwarzmalerei, die nicht der Realität entspricht. Das zeigte die neue Studie von bulwiengesa zu Einzelhandelsprojektentwicklungen in diesem Jahr. Dabei wird auch deutlich, dass der Markt in vielerlei Hinsicht sehr ausgeglichen ist.

In diesem Jahr erreichte die Anzahl der Einzelhandels-Projektentwicklungen mit ca. 500.000 m² Mietfläche einen Tiefstand. Die Situation wird sich in den nächsten beiden Jahren wohl jedoch grundlegend ändern, denn die Pipelines der Projektentwickler sind wieder gut gefüllt, sodass für 2018 und 2019 ein leicht steigendes Fertigstellungsvolumen beobachtet werden kann. Hauptverantwortlich sind dafür Shoppingcenter und Geschäftshäuser.

„Wir freuen uns, den Schwarzmalern die Fakten zu präsentieren. Der deutsche Einzelhandel stirbt nicht, sondern sucht neue Standorte. Der rückläufige Trend scheint gestoppt“, zeigt sich Ralf Koschny, Vorstand von bulwiengesa zufrieden.

Bald Wechsel an der Spitze?

Der größte Projektentwickler ist die auf Shoppingcenter spezialisierte ECE, die einen Anteil von 5,5 % am deutschlandweiten Projektentwicklungsvolumen hat. Knapp dahinter folgen HBB (5,2 %) und Ten Brinke (5,1 %). Auf Rang vier folgt HGHI mit 3,3 %. Der relativ hohe Marktanteil des Unternehmens ist erstaunlich, denn es realisiert seine Projektentwicklungen lediglich in Berlin. Mit weiter deutlichem Abstand folgt die Newport Holding auf Rang fünf mit einem Marktanteil von 2,1 %.

HBB könnte bald die Marktführerschaft übernehmen, denn das Hamburger Unternehmen hat die meisten neuen Projekte in der Pipeline. Bei ECE leert sich hingegen die Pipeline. “Wir freuen uns, bald die Nummer eins in Deutschland zu sein und glauben an die Potenziale unserer Investitionsregionen“, so Harald Ortner, Geschäftsführender Gesellschafter HBB.

„ECE konzentriert sich tatsächlich stärker auf den Umbau und die Neustrukturierung der bestehenden Center. Das erfordert das Marktumfeld“, erläutert Dr. Jan Röttgers, Geschäftsführer, ECE Development & Consulting.

Die Marktanteile machen deutlich, dass die Top 5 gerade einmal ein Fünftel des in Deutschland umgesetzten Einzelhandel-Projektentwicklungsvolumens auf sich vereinen. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass Einzelhandelsentwicklungen in Deutschland von einer großen Zahl regionaler Projektentwickler realisiert werden. Allen bundesweit tätigen Entwicklern ist gemein, dass sie ihr Engagement in der südlichen Region ausgeweitet haben und hier ihre jeweils größten relativen Flächenanteile aufweisen.

Unterschiedliche Fokusse in bei unterschiedlichen Immobilienarten

Für Kapitalanleger bieten sich im Segment Einzelhandelsimmobilien über ganz Deutschland verteilt Investitionsmöglichkeiten. Dennoch bestehen zwischen den einzelnen Arten von Einzelhandelsimmobilien durchaus Unterschiede. So bevorzugen Investoren und damit auch Projektentwickler bei Fachmarkzentren eindeutig die A-Städte. Auf diese sieben Städte entfallen ein Fünftel des Einzelhandels-Projektentwicklungsvolumens entfallen. So werden hier pro 1.000 Einwohner 30 m² Einzelhandelsimmobilienprojekte entwickelt, mehr als doppelt so viel wie im übrigen Deutschland. „Die Genehmigungsfähigkeit von Einzelhandelsgroßprojekten ist in den vergangenen Jahren immer schwieriger und zeitaufwendiger geworden. Vor allem dann, wenn diese Entwicklungen außerhalb von Oberzentren erfolgen sollen. Zum anderen wird allgemein das Potenzial für neue Shoppingcenter-Standorte immer geringer, Projektentwickler weichen in kleinere Städte aus. Dadurch fällt das zur Entwicklung anstehenden Flächenvolumen zwangsläufig geringer aus“, macht Ralf Koschny verschiedene Gründe für diese Entwicklung aus.

Steigende Fertigstellungen außerhalb der A-Städte und einen stabilen Flächenanteil werden künftig z.B. Geschäftshäuser aufweisen. Dort beruht die Entwicklungstätigkeit häufig auf dem Abriss und Neubau früherer Kauf- und Warenhäuser. Zukünftig wird diese Entwicklungsart weiter eine wichtige Rolle spielen, da die Schaffung moderner Verkaufsflächen in den Innenstädten eine wichtige Basis für die Attraktivität des Einzelhandels in den 1a-Lagen bildet. (ahu)

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