Mehr Angst vor Inflation als vor Corona

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Die Corona-Pandemie macht deutlich, wie schnell sich Krankheiten weltweit verbreiten können. Wirkliche Angst vor ähnlichen Problemen hat aber nur eine Minderheit der Deutschen. Völlig anders ist hingegen die Furcht vor wirtschaftlichen und politischen Gefahren. Das zeigt eine aktuelle Studie der R+V., die einiges Erstaunliches zu Tage fördert.

Seit mittlerweile einem halben Jahr ist das Leben in Deutschland nicht mehr so wie es einmal war – oder wer hätte ernsthaft daran geglaubt, dass es hierzulande jemals Kontaktbeschränkungen oder Verbote von Großveranstaltungen geben wird? Angst davor, dass Deutschland eine Pandemie erlebt, hatte wohl auch niemand ernsthaft, schließlich hätte man in einem solchen Fall ja viel bessere präventive Maßnahmen getroffen. Dabei wäre die Befürchtung durchaus angebracht gewesen, wurde die BRD in ihrer 70-jährigen Geschichte bereits von zwei schweren Pandemien heimgesucht: In den Jahren 1957/58 und 1968/69 sorgten die Asiatische Grippe und die Hongkong-Grippe für insgesamt geschätzt 70.000 Tote. Jedoch sind diese beiden schweren Pandemien ebenso in Vergessenheit geraten wie die im 21. Jahrhundert grassierende Schweinegrippe. Auch die Corona-Pandemie, die neben der gesundheitlichen auch eine beispiellose sozio-ökonomische Belastung für die Bevölkerung darstellt, scheint die Angst vor Pandemien nicht zu befeuern. Das geht aus der R+V Langzeitstudie „Die Ängst der Deutschen“ hervor, für die der Wiesbadener Versicherer zum 29. Mal ca. 2.400 Menschen nach ihren größten Sorgen rund um Politik, Wirtschaft, Umwelt, Familie und Gesundheit befragt hat. So gaben bei der diesjährigen Umfrage nur 32 % der Befragten an, Angst vor einer schweren Erkrankung zu haben, was sogar drei Prozentpunkte weniger ist als bei der Vorjahresumfrage. Erstaunlich, wo doch die Berichterstattung immer noch sehr von Corona und den Langzeitfolgen dominiert wird. Auch die Angst, dass man selbst zu den Betroffenen gehört, ist äußerst gering: „Ebenfalls nur etwa jeder dritte Befragte fürchtet sich davor, dass er selbst oder die Menschen in seinem Umfeld sich mit dem Coronavirus infizieren konnten“, erklärte Brigitte Römstedt, Leiterin des R+V-Infocenters in der heutigen Pressekonferenz zu der Studie.

Nur wenig Angst vor ähnlichen Ereignissen in der Zukunft

Pandemien sind eine Schattenseite der Globalisierung, schließlich wurde bereits die in der Mitte des 14. Jahrhunderts wütende Pest dadurch begünstigt, dass in Europa damals bereits weitreichende Handelsbeziehungen bestanden. Eine Welt, in der jeder Ort innerhalb von nur wenigen Stunden erreichbar ist, macht Krankheiten eine schnelle globale Verbreitung als noch deutlich leichter. Vor dieser Tatsache scheinen viele Teilnehmer der R+V-Studie aber die Augen zu verschließen: So fürchten nur 42 %, dass es durch die Globalisierung in Zukunft häufiger zu Pandemien kommen wird. Für Brigitte Römstedt sind diese Zahlen durchaus überraschend: „Angesichts der rasanten weltweiten Ausbreitung hatten wir hier hohere Werte erwartet. Nach unseren Erkenntnissen haben die Menschen aber deutlich mehr Angst davor, dass das Virus ihren Wohlstand bedroht als ihre Gesundheit“.

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