Globaler Überblick: Länderfokus China

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Die Wahrscheinlichkeiten für eine Zinsanhebung der Fed im Juni oder Juli haben sich stark erhöht. Im Hinblick auf die weltweiten Wachstumsaussichten sind die meisten Analysten vorsichtiger in ihren Schätzungen geworden und haben diese weiter nach unten angepasst.

(fw/rm) U.a. weil der Ölpreis bei Werten um die 50 US-Dollar je Barrel jetzt in erhebliche technische Widerstände hineinläuft, steigt insgesamt die Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Korrektur im Rohstoffbereich. Auffällig ist derweil, dass sich die Schwellenländer-Anleihemärkte (Unternehmens- und Bankanleihen) in den letzten 24 Monaten zumeist recht stark von den Aktienmärkten abgekoppelt haben. Das spiegelt zum einen den deutlich reduzierten langfristigen Wachstumsausblick wider – zum anderen reflektiert es aber auch eine (noch) relativ entspannte Sicht der meisten Investoren auf die Ausfallsrisiken im Unternehmenssektor und auf die Gesundheit des Bankensystems in vielen Emerging Markets. Länderfokus China: Das Kreditwachstum in China ist weiter exorbitant hoch. Allein im ersten Quartal wurden im Bankensystem neue Kredite im Umfang von 4,6 Billionen Yuan ausgereicht. Das ist mehr als im ersten Quartal 2009, auf dem Höhepunkt der damaligen globalen Finanz- und Wirtschaftskrise. Daneben wurden die Staatsausgaben um 15,4 Prozent gesteigert – gegenüber einem Jahresziel von gerade einmal 6,7 Prozent. Chinas Gesamtverschuldung liegt inzwischen bei rund 280 Prozent des BIP, verglichen mit 160 Prozent vor gerade einmal acht Jahren. Die Volkswirtschaft dürfte trotz der gewaltigen fiskalischen und monetären Stimuli sowohl im April als auch im Mai nur sehr moderat gewachsen sein. Indien: Die Wirtschaft wächst stärker als erwartet. Auch die Erholung der Ölpreise ist noch kein allzu großes Thema für den Ölimporteur Indien. Allerdings sind notleidende Kredite im Bankensystem auf einem 15-Jahreshoch, die Kapazitätsauslastung in der Industrie ist niedrig und private Investitionen bleiben schwach. Zudem lag die Teuerungsrate zuletzt über dem Ziel der Notenbank und dürfte weitere Zinssenkungen erschweren, zumindest kurzfristig. Brasilien: Der – zunächst ja nur übergangsweise regierende – neue Präsident Temer sieht sich einer Herkulesaufgabe gegenüber. Denn es wären drastische Einsparmaßnahmen und/oder erhebliche Einnahmesteigerungen erforderlich, um Haushaltsdefizit und Schuldenlast nicht weiter anwachsen zu lassen. Doch beides ist überaus schwierig. Und dass binnen weniger Tage gleich zwei der neu berufenen Minister wegen Korruptionsvorwürfen zurücktraten, stellt einen schweren Rückschlag für Temer dar. Russland: Auch wenn die Volkswirtschaft das Schlimmste wohl zunächst überstanden haben dürfte, sind die langfristigen strukturellen Probleme nicht vom Tisch. Eine etwaige wirtschaftliche Erholung nach der gegenwärtigen Rezession dürfte daher auch eher schwach verlaufen – es sei denn, der Ölpreis würde in den kommenden Jahren wieder in Richtung 80 bis 100 US-Dollar je Barrel klettern. Letzteres ist allerdings recht unwahrscheinlich. Türkei: Die Innen- und Außenpolitik der Türkei wird immer irritierender für ausländische Investoren. Hinzu kommt, dass bei der Notenbank ein eklatantes Missverhältnis zu beobachten ist zwischen Rhetorik und tasächlichem Handeln. So wären Zinsanhebungen und/oder eine kräftige Währungsabwertung eigentlich geboten, um die aktuelle Situation zu stabilisieren und zu entschärfen. Doch das Gegenteil ist der Fall. Das wird früher oder später die Lira kräftig unter Druck bringen, zumal die Notenbank ihre Fremdwährungsreserven inzwischen weitgehend aufgebraucht hat. Weitere Devisenmarktinterventionen sind künftig damit kaum noch möglich. Griechenland: Griechenland wird bis auf weiteres frische Kredite von der EU erhalten. Die Renditen griechischer Staatsanleihen gingen entsprechend kräftig zurück. Griechenlands Aktienmarkt zählt inzwischen bekanntlich zum MSCI Emerging Markets, während sein Rentenmarkt weiterhin als etablierter Markt eingestuft ist. CE3 (Polen, Tschechien, Ungarn): Sowohl Polen als auch Ungarn verzeichneten im ersten Quartal offenbar unerwartet kräftige Rückgänge in der Konjunkturdynamik. In beiden Fällen dürften geringere öffentliche Investitionen maßgeblich dazu beigetragen haben und diese wiederum sind eine Folge gesunkener Finanztransfers von Seiten der EU. www.rcm.at