Gewohnt wird immer

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…mit diesem Spruch wirbt die Wohnungs-Branche oft und gerne. Und unter Corona-Vorzeichen erst recht. Drängen sich Investitionen in die eigenen vier Wände oder in eine Wohnung als Kapitalanlage nun tatsächlich auf? Kann der Wohnungsmarkt sogar von der Krise profitieren? Wo lauern Fallen, die Anleger vielleicht gar nicht auf dem Schirm haben? Das sagen Experten und Anbieter.

„Die Politik nimmt maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Wohnungsmärkte. Zum Schutz der Mieter wurden die Mietpreisbremse oder der Mietendeckel eingeführt, damit Mieten nur noch bedingt erhöht werden können. Die Maßnahmen schränken vor allem die Rechte der Eigentümer der Wohnungen ein; benachteiligt werden aber auch die mobilen Mieter und die in die Städte Ziehenden, die eine Eigentumswohnung suchen. Es kommt zu einer Mehrnachfrage, was wiederum die Preise pusht“, so lautet das Fazit von Dr. Günter Vornholz, Professor für Immobilienökonomie an der EBZ Business School in Bochum zur aktuellen Situation. Er berichtet von steigen 98den Baugenehmigungen im gesamten vergangenen Jahrzehnt: „Auch im 1. Halbjahr 2020 ist ein Anstieg um gut 4 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum festzustellen. Die Corona-Krise hat damit vorläufig keinen negativen Einfluss gehabt, auch nicht auf die Preise. Die Prognosen der Crash-Propheten auf dem Wohnungs-Investmentmarkt von bis zu minus 30 % sind nicht eingetroffen, sondern haben leider eine viel zu starke mediale Öffentlichkeit erfahren.“

Die Entwicklung der Baufertigstellungen spiegelt die tatsächliche Bautätigkeit wider. Sie sind ebenfalls kontinuierlich gestiegen in den vergangenen Jahren. Waren es 2015 noch knapp 250.000 Wohnungen, wurden im vergangenen Jahr knapp 300.000 Wohnungen fertiggestellt. Da die Baukapazitäten derzeit weitgehend ausgelastet sind, erwartet das ifo-Institut keinen weiteren, starken Anstieg der Fertigstellungen in den kommenden Jahren, aber ein nachhaltig hohes Niveau. An der Börse haben die Investoren die Chancen auf den Wohnungsmärkten erkannt. Kein anderer DAX-Titel verzeichnete in den vergangenen sechs Monaten einen stärkeren Kursanstieg als „Deutsche Wohnen“. Damit belegt die Aktie eine breite Entwicklung, denn in den vergangenen zehn Jahren sind die Immobilienpreise in den deutschen Großstädten um rund 126 % gestiegen. Im selben Zeitraum kletterte der DAX um 88 % nach oben. Dennoch verharrt die Nachfrage nach Immobilien Aktien lediglich auf einem moderaten Niveau. Der Google-Trend-Score, der das relative Suchvolumen angibt, lag im Schnitt bei um die 40 und damit weit entfernt vom Maximalwert von 100 für die größte Nachfrage.

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