Welche Auswirkungen hat Künstliche Intelligenz (KI) auf die Finanzwelt?

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In vielen Lebensbereichen bekommt die Künstliche Intelligenz einen immer größer werdenden Stellenwert. Diese Entwicklung macht auch vor der Finanzbranche keinen Halt. Experten sehen in der KI sogar ein großes Potential für drastische Veränderungen. Bereits jetzt geben Unternehmen Milliarden aus, um die Technologie weiterzuentwickeln – mit dem Ziel, dadurch einen besseren Kundenservice zu bieten, aber auch, um Betrug zu reduzieren und im Endeffekt Geld einsparen zu können.

Durch KI – so derzeitige Schätzungen – können Unternehmen ihre Kosten bis zum Jahr 2030 deutlich senken. 22 Prozent sind hier im Gespräch, wie Business Insider berichtet und sich dabei auf das Unternehmen Autonomous stützt.

Schon jetzt setzen einzelne Banken und Finanzdienstleister auf modernste Technik, die im Bereich KI anzusiedeln ist. Chatbots zählen unter anderem dazu, die beispielsweise auf Kundenanfragen auf der eigenen Webseite oder in sozialen Netzwerken wie Facebook antworten und dafür da sind, Wartezeiten kurz zu halten oder die Anliegen der Kunden auch direkt zu klären.

Bank-Filialen werden mehr und mehr ersetzt

Was das Thema Künstliche Intelligenz angeht, befindet sich der Finanzsektor derzeit jedoch noch am Anfang der Entwicklung. Anders sieht es allgemein im Bereich der Digitalisierung aus. Mehr und mehr werden Online-Plattformen für Geldangelegenheiten wie Kredite, während mehr Bankfilialen schließen. Derartige Plattformen leisten damit heute schon einen wichtigen Beitrag für die Verbraucher, sodass es in diesem Bereich sogar einen ersten Branchenverband gibt.

Immer mehr Verbraucher entscheiden sich in Geldfragen für einen Vergleich im Netz, fragen hier ihre Chancen auf einen Kredit ab, eröffnen ein neues Girokonto oder verhandeln über die bestmöglichen Zinsen für eine Geldanlage. Die klassische Bankfiliale kommt dabei verstärkt „zu kurz“ und wird nicht mehr derartig frequentiert, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

Dies hängt natürlich nicht mit der Künstlichen Intelligenz zusammen, wohl aber mit der modernen Technologie, die es bereits heute gibt.

Entscheidet bald die KI über die Kreditvergabe?

Denkbar ist in jedem Fall, dass die Künstliche Intelligenz in Zukunft wichtige Aufgaben übernimmt – auch im Bereich der Kundenbetreuung. So soll es der Technologie möglich sein, Entscheidungen über eventuelle Kreditvergaben zu treffen. Alleine durch die Korrespondenz mit der KI soll so ein Online Kredit mit Sofortzusage möglich werden – eine Angelegenheit, für die heute letztlich noch immer eine menschliche Entscheidung von Nöten ist.

In Zukunft ist allerdings durchaus denkbar, dass diese Aufgabe vermehrt von der Technik, von Computern und damit von der KI übernommen wird. Wann genau dies soweit sein wird und welche Aufgaben dann konkret von der Künstlichen Intelligenz erledigt werden können, bleibt derzeit noch abzuwarten.

Die Technologie bekommt in Zukunft jedoch immer mehr Zugriff auf Daten und kann anhand dieser entscheiden, ob ein potentieller Schuldner für einen Kredit geeignet ist – oder eben nicht. Bereits jetzt arbeiten erste Kreditunternehmen an derartiger Technik, gemeinsam mit ZestFinance ist beispielsweise Discover Financial Services an dieser Thematik dran.

Relevant sind dafür dann auch Besonderheiten der Kunden – zum Beispiel beim Einkauf im Discountmarkt oder in anderen Lebensbereichen. Unklar ist jedoch, ob sich die Künstliche Intelligenz dabei nur auf Daten aus der (jüngeren) Vergangenheit bezieht oder ob auch die Gegenwart für die Kreditvergabe eine Rolle spielen kann.

Und wo soll auf Künstliche Intelligenz verzichtet werden?

Große Finanzunternehmen widmen sich inzwischen vielen Bereichen, in denen die Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen kann. Es gibt aber auch Bereiche, in denen KI nicht verwendet werden soll – zumindest nach derzeitigem Stand. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass deutlich gemacht wird, wo KI zum Einsatz gebracht wird und wo eben nicht.

Laut Ansicht der Experten bei JPMorgan zum Beispiel müsse schriftlich fixiert werden, ob Daten in einzelnen Bereichen nicht genutzt werden können oder ob einzelne Projekte für die Verwendung von KI keinen Wert haben. Nur so könne man für die Zukunft auch vermeiden, dass Fehler wiederholt werden.

Autor: Hauke Eilers