“Kreditplattformen leisten wichtigen Beitrag”

Der Vorstand des Verbandes Deutscher Kreditplattformen: Philipp Kriependorf, Marc von Ammon, Pelin Wolk und Ralph Pieper (von li. nach re.) / Foto: © Verband deutscher Kreditplattformen

In Deutschland gibt es immer weniger Bankfilialen, womit eine Versorgungslücke für Kredite entsteht. Diese wird zunehmend von Online-Plattformen gefüllt. Aufgrund ihrer steigenden Bedeutung haben vier führende Kreditplattformen nun einen Branchenverband gegründet, der erstmals verbindliche Standards festlegt.

In den vergangenen 24 Jahren hat sich die Zahl der Bankfilialen in Deutschland mehr als halbiert: Gab es 1995 noch ca. 68.000 hiervon, sind es aktuell nur noch ca. 30.000. Für die Vermittlung von Krediten spielen die Banken ohnehin eine immer geringere Rolle. So haben sich Kreditplattformen als beliebte Alternative zum klassischen Bankkredit etabliert. Jedoch sind mit der zunehmenden Reife und Relevanz dieser Finanzierungsform nicht nur die Erwartungen von Privatanlegern und institutionellen Investoren sowie Kreditnehmern gestiegen, sondern auch die Ansprüche der Branche selbst an Qualität und Professionalität. Um diese Entwicklung im Interesse der gesamten Branche zu gestalten, haben am 4. Juni die vier nach Volumen größten Anbieter in Deutschland auxmoney, creditshelf, Funding Circle und Kapilendo gemeinsam den Verband deutscher Kreditplattformen gegründet. Die vier Gründungsmitglieder haben nach eigenen Angaben bislang über 1.4000 Unternehmenskredite und 73.000 Verbraucherkredite mit einem Gesamtvolumen von ca. 728 Mio. Euro ermöglicht.

„Kreditplattformen leisten einen immer wichtigeren Beitrag zur Finanzierung von Verbrauchern und Unternehmen“, meint Pelin Wolk, geschäftsführender Vorstand des Verbands deutscher Kreditplattformen. „Bislang hat der Branche jedoch eine gemeinsame Stimme gefehlt und diese Lücke wollen wir schließen. Der Verband soll die Interessen von Kreditplattformen sowie ihrer Kreditnehmer und Investoren vertreten und das Vertrauen in die Branche stärken.“

Ziel: Verbindliche Grundsätze und Verhaltensregeln

Der neu gegründete Verband setzt sich in einem ersten Schritt für die professionelle, integere und transparente Gestaltung des Kreditplattformengeschäfts sowie für die Einhaltung einheitlicher Qualitätsstandards durch alle Marktteilnehmer ein. So haben die Verbandsmitglieder erstmals verbindliche Grundsätze für zentrale Bereiche wie Risikomanagement, Kundenbetreuung und Informationen über Konditionen und Gebühren für Kreditnehmer und Investoren vereinbart. Der Verband mit Sitz in Berlin wird von jeweils einem Vertreter der Gründungsmitglieder geleitet: Philipp Kriependorf (auxmoney), Ralph Pieper (Kapilendo), Marc von Ammon (creditshelf) und Pelin Wolk (Funding Circle). Wolk ist kommissarisch als geschäftsführender Vorstand des Verbands tätig. Mittelfristig wird ein hauptamtlicher Geschäftsführer den Verband leiten.

„Mit der Gründung des Verbands ist ein erstes Etappenziel erreicht, es liegen aber weiterhin große Ziele und Aufgaben vor uns“, so Pelin Wolk. „Als neu gegründeter Verband haben wir den Anspruch, intensiver in den Dialog mit Entscheidungsträgern aus Politik und Wirtschaft zu treten und die Öffentlichkeit künftig besser über branchenrelevante Entwicklungen zu informieren. In diesem Zusammenhang freuen wir uns auch auf die Zusammenarbeit mit anderen Branchenverbänden.“

Jedes Unternehmen, dessen Haupttätigkeit die unmittelbare Kreditfinanzierung durch private und institutionelle Investoren über eine Online-Plattform ist, das seinen Sitz in Deutschland und bereits ein Gesamtvolumen von mindestens 500.000 Euro an Krediten finanziert hat, kann dem Verband beitreten. Die Mitglieder des Verbands setzen sich für die Verbesserung des Zugangs zu Fremdfinanzierung für Unternehmen und Verbraucher sowie einen fairen Wettbewerb im Kreditgeschäft ein. (ahu)