Was ist nur mit Gold los?

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Ein globaler Handelskrieg droht, die Zinsen sind weiterhin historisch niedrig, die Türkische Lira befindet sich im freien Fall: Drei Gründe, warum Anleger eigentlich den Krisenschutz Gold nachfragen würden – tun sie aber nicht. Doch bald könnte es wieder so weit sein.

Die Zeiten für Gold waren wahrlich schon besser: Laut World Gold Council wurden im zweiten Quartal 2018 weltweit ca. 964 Tonnen Gold nachgefragt, ca. 4 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Mit knapp 2.000 Tonnen lag die Nachfrage im gesamten ersten Halbjahr auf dem niedrigsten Stand seit 2009. Da in den ersten beiden Quartalen das Goldangebot jeweils um 3 % stieg und insgesamt bei ca. 1.100 Tonnen lag, verlor der Goldpreis seit Jahresbeginn auf Dollarbasis fast 9 %. Als Grund für die gesunkene Nachfrage nach Gold macht Martin Siegel die Entwicklung der Anlagealternativen aus. „Die Edelmetalle leiden nach wie vor unter den boomenden Aktien- und Immobilienmärkten. Gefahren für das Währungssystem durch Spannungen im Euro oder durch anziehende Inflationsraten werden von vielen Investoren derzeit weitgehend ignoriert“, erläutert der Geschäftsführer Stabilitas GmbH.

Martin Siegel, Geschäftsführer Stabilitas GmbH / Foto: © Stabilitas GmbH

 

Gold bald kein Krisenschutz mehr?

In den 1970er Jahren machte der Goldpreise einen deutlichen Sprung: Nachdem US-Präsident Richard Nixon im August 1971 die Golddeckung für den US-Dollar aufhob und der bis dahin festgelegte Goldpreis von 35 Dollar je Feinunze Geschichte war, übersprang der Goldpreis im Mai 1972 zum ersten Mal seit über 1864 wieder die 50-Dollar Marke. Aufgrund von Ölkrise und Angst vor Inflation investierten immer mehr Anleger in Gold, sodass der Goldpreis bis 1980 auf 870 Dollar anstieg. Dieser rasante Preisanstieg unterstreicht, dass Gold vor allem in Krisenzeiten gefragt ist, oder besser gesagt war. „Gerade die Spannungen zwischen den USA und China oder der Zusammenbruch der türkischen Lira hätten in der Vergangenheit die Nachfrage und den Preis des gelben Metalls angetrieben. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass sich die Menschen an schlechte Neuigkeiten in den letzten Jahren gewöhnt haben“, zeigt sich Ronny Wagner von der aktuellen Entwicklung sehr überrascht.

Ronny Wagner, Geschäftsführer Noble Metal Factory / Foto: © Noble Metal Factory

Der Geschäftsführer der Noble Metal Factory glaubt auch, dass vor 10 Jahren eine solche Situation an den Anlagemärkten deutliche Auswirkungen auf die Volatilität der Edelmetallpreise gehabt hätte. „Die Investoren, die trotzdem beunruhigt sind über die aktuellen Entwicklungen haben sich eher für den Dollar, den Yen oder Staatsanleihen als sichere Häfen entschieden“, so Wagner weiter.

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