Warum verstecken sich die Versicherer nur?

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Der aktuelle map-report zeigt, dass sich die Lebensversicherer trotz der Niedrigzinsphase wacker schlagen. Dennoch wollen immer weniger Gesellschaften Daten herausgeben. Für Berater und Kunden wird die Produktauswahl immer schwieriger.

Weil sie für Sicherheit und verlässliche Rendite standen, waren klassische Lebens- und Rentenversicherungen über Jahrzehnte sehr beliebt. Die aktuelle Lage an den Kapitalmärkten macht diese Produkte inzwischen aber sowohl bei Verbrauchern als auch bei der Assekuranz zunehmend unbeliebt. So geht es für die Produktanbieter heute in erster Linie darum, welche Kosten die alten Garantien verursachen, die sich bei ihnen im Bestand befinden, und in welcher Höhe die erforderlichen Zuführungen zur Zinszusatzreserve ihre Ergebnisse belasten. Entsprechend hat die Klassik bei den meisten Gesellschaften ausgedient. Um Neugeschäft zu generieren, entwickelt die Branche neue Tarife, die oft nur schwer miteinander zu vergleichen sind.

Nur 19 Versicherer haben sich gestellt

Der map-report untersucht seit mittlerweile fast 30 Jahren Kapitallebensversicherungen und Rententarife. Mit gerade einmal 19 Gesellschaften haben so wenige Gesellschaften ihre Vergangenheitswerte offen gelegt wie noch nie. Reinhard Klages kann nur wenig Verständnis für diese Zurückhaltung aufbringen, denn die Branche müsse sich eigentlich nicht verstecken. „Schon seit 2009 dümpelt der EZB-Leitzins, abgesehen von einem kurzen Intermezzo, bei einem Prozent oder weniger. Seit 2014 war ist es mit Positivzinsen sogar ganz vorbei. Im Vergleich dazu haben sich Kapitalversicherungen wacker geschlagen und immer noch ordentliche Renditen abgeliefert“, so der Chefredakteur des map-reports.

So viel erhält der Durchschnittskunde

Dass die Versicherer sich angesichts der Niedrigzinsphase durchaus wacker schlagen, zeigt das Musterbeispiel eines 63-jährigen Mannes, der 1999 in eine sofortbeginnende Rentenversicherung mit dynamischem, Überschusssystem 50.000 Euro eingezahlt hat. Ursprünglich garantiert waren 272 Euro, Anfang 2019 erhielt er aber durchschnittlich 318 Euro. Ins Verdienen kam der Vertrag nach einer Laufzeit von 13 Jahren und zehn Monaten, also im Oktober 2012. Damals überstieg die Summe der Rentenzahlungen den Einmalbetrag. Seit Rentenbeginn von 20 Jahren haben sich die Rentenzahlungen auf insgesamt 73.902 Euro summiert. Mit einer Rentensumme von 80.785 Euro erreichte die Debeka den höchsten Betrag und überstieg als einzige Gesellschaft die Marke von 80.000 Euro.

Bei einem Vertragsbeginn im Jahr 2004 hätte die garantierte Monatsrente durchschnittlich 253,49 Euro betrag. Der Vertrag käme erst Mitte dieses Jahres, also nach 15 Jahren und sechs Monaten in die Gewinnzone. Der Grund für die Diskrepanz: Seit Anfang 2009 stehen die Rentenversicherungen deutlich unter dem Einfluss der erodierten Zinsen. Somit können sie nur 202,42 Euro Monatsrente garantieren. Wann sie sich ins Verdienen bringen, ist laut map-report derzeit nicht abzusehen.

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