Von der Kür zur Pflicht

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Ab März 2021 steigt die Bedeutung von nachhaltigen Investments.

Wer kennt Hans Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann im Erzgebirge und seinerzeit zuständig für die Forstwirtschaft? Schon im späten Mittelalter verbrauchte der Bergbau zu viel Holz. Die Ressourcen wurden knapp. Carlowitz verfügte daher im Jahr 1713, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Mit seinen Worten forderte er eine „continuirlich beständige und nachhaltende Nutzung“. Damit war ein Begriff geboren, der heute mehr denn je unser Leben prägt. Nicht nur in der Forstwirtschaft, sondern zunehmend auch auf den Finanzmärkten. Hier wird die Nachhaltigkeit im kommenden Jahr sogar zur Pflicht.

Die Vorgabe kommt aus Brüssel und trägt den sperrigen Namen „Offenlegungsverordnung“. Diese EU-Vorschrift gilt ab dem 10. März 2021 und regelt, wie Anbieter von Kapitalanlagen und Berater über nachhaltige Investments und die damit verbundenen Risiken informieren müssen. Sie sind künftig dazu verpflichtet, ihre Kunden im Beratungsgespräch nach ihren Vorstellungen zu nachhaltigen Investments zu befragen und passende Produkte vorzuschlagen. Bieten sie stattdessen Kapitalanlagen an, die keinen Wert legen auf Nachhaltigkeit, müssen sie das begründen und protokollieren. Problem dabei: Hat sich die Bedeutung von ESG bei institutionellen Investoren bereits durchgesetzt – wobei das Akronym für Environmental, Social and Governance steht, also Umwelt, Soziales und vorbildliche Unternehmensführung – gibt es nur wenige Produkte für private Kapitalanleger am Markt, die die Nachhaltigkeits-Kriterien erfüllen.

Offensichtlich ist das Thema Nachhaltigkeit bei den New Energy Fonds. Die Versicherungsgruppe die Bayerische hat unter der Marke Pangaea Life ein nachhaltiges Produkt nach Luxemburger Recht aufgelegt. „Die Pangaea Life Investment Rente ist die erste und aktuell wohl auch noch immer einzige ökologisch nachhaltige Zukunftsvorsorge mit ausschließlichen Direktinvestments in Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien. Hier sorgen Sonne, Wind und Wasser für klimafreundliche Rendite. Und zwar zu 100 % – ohne Ausnahme“, sagt Vorstandsmitglied Martin Gräfer. Er spricht von einem Zukunftsmarkt: „Studien zeigen, dass rund 16 Millionen Kunden an nachhaltigen Investments interessiert sind. Davon sind 7 Millionen Anleger bereit, ihre Strategie für mehr Nachhaltigkeit neu auszurichten.“Fraglich ist, ob die Menschen derzeit nicht andere Sorgen plagen. Fridays for Future zum Beispiel ist aus der allgemeinen Wahrnehmung verschwunden, seitdem das Thema COVID-19 unser Leben bestimmt. Dazu hat Gräfer eine konkrete Meinung: „Die Bedeutung von Nachhaltigkeit wird weiter steigen. Corona geht – der Klimawandel bleibt. Und gerade in Krisenzeiten wird der Blick auf das Wesentliche geschärft.

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