Unternehmensnachfolge: Mitmachen oder sein lassen?

Roland Greppmair und Axel Bergmann, K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten, Standorte München und Hannover / Foto: © K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten

Kaum eine Branche ist so von den Umbrüchen durch die Digitalisierung getrieben, wie die Finanzbranche. Es bilden sich zunehmend Spezialisten in Teilbereichen heraus, die die Platzhirsche mit innovativen Geschäftsmodellen unablässig herausfordern und schnelle Anpassungen erzwingen. Exemplarisch seien die Geschäftsbanken genannt, die in ihren angestammten Geschäftsfeldern durch neue Akteure mit digitalen Geschäftsmodellen heftig attackiert werden. Im Zahlungsverkehr z.B. durch Anbieter wie PayPal oder Wirecard, im Kreditgeschäft durch Spezialisten wie Kapilendo, Creditshelf  oder Smava und im Bereich Vermögensanlagen  durch eine Fülle sogenannter Robo-Advisor wie Wealthfront, Betterment, oder Scalable Capital.

Unternehmen, die sich den Veränderungen anpassen bzw. diese mit disruptiven Innovationen treiben, sind die Erzeuger von neuem Kundenverhalten. Auf dieses gilt es strategisch, organisatorisch sowie operativ zu reagieren, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Da stellt sich für manchen Versicherungsmakler, Vermögensverwalter und andere Unternehmer in dieser Branche die Frage: „Kann und will ich da noch mitmachen?“ Dies gilt insbesondere für diejenigen, die den Großteil ihres unternehmerischen Schaffens schon hinter sich haben und mit der Frage der Nachfolge früher oder später konfrontiert werden.

Statistisch gesehen sind es 23.000 Unternehmen pro 1 Million Einwohner, die aktuell die Nachfolgefrage lösen müssen. Dieses volkswirtschaftlich so relevante Thema gerät immer mehr in das Visier der Öffentlichkeit, stehen doch Millionen von Arbeitsplätzen auf dem Spiel. Dies betrifft mehr oder weniger alle Branchen.

Die demographische Entwicklung erschwert qualifizierte Nachfolgelösungen, da über die Hälfte aller Inhaber und Geschäftsführer überaltert sind. Die Generation der Nachfolger hat darüber hinaus ein sehr verändertes Werteverständnis, insbesondere beim Umgang mit Risiken. Somit findet nur mehr jede zweite Übergabe als echter Generationswechsel innerhalb der Familie statt.

Für die Player der Finanzbranche, die von der digitalen Transformation betroffen ist, wie kaum eine andere, gilt achtsam und wachsam mit dem eigenen Lebenswerk umzugehen. Ordentliche Unternehmenserträge lassen auf gute Verkaufserlöse hoffen. Unternehmen werden aber nicht nur anhand des aktuellen Ertrages bewertet, sondern auch anhand ihrer Zukunftsaussichten. Die Frage, wie gut das Unternehmen für den digitalen Wandel aufgestellt ist, spielt dabei eine wichtige Rolle.

Interessante Übernahmekandidaten sind spärlich gesät, oft anspruchsvoll und mit wenig Eigenkapital ausgestattet. Keine einfachen Bedingungen, weshalb man für Vorbereitung und Übergabe viel Zeit einkalkulieren sollte.

Ein ehrlicher Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und der inneren Motivation, sich den Anforderungen an eine sich immer schneller drehende Welt zu stellen, ist ratsam. Wer Höchstpreise für sein Unternehmen erzielen will, muss seine Prozesse ständig anpassen und nachweisen können, dass sein Geschäftsmodell tragfähig für die Zukunft ist. Sonst gibt es Abschläge, denn der Nachfolger wird um diese Investition nicht herumkommen.

So individuell eine Nachfolge auch ist, die folgenden vier Phasen geben Struktur. Sie sind relevant für den Erfolg des komplexen und emotional aufgeladenen Prozesses einer Unternehmensnachfolge:

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