So verändert Corona den Wohnungsmarkt

Foto: © brankospejs - stock.adobe.com

Gewohnt wird immer – sogar wenn die Welt aus den Fugen gerät: Das bestätigt eine aktuelle Untersuchung von Engel & Völkers. Demnach spürt der Wohnimmobilienmarkt in den A-Städten derzeit keine Auswirkungen durch die Pandemiekrise. Das bedeutet aber nicht, dass alles ist wie zuvor.

In den vergangenen Wochen wurde viel über die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Immobilienmarkt spekuliert. Für etwas Klarheit sorgt nun Engel & Völkers. So hat das Immobilienunternehmen seine Marktdaten für die sieben A-Städte zwischen März und Mai ausgewertet. „Aufgrund der Kontaktbeschränkungen sind die Aktivitäten von Käufern und Investoren Anfang März bis Ende Mai leicht zurückgegangen. Seit Beginn der Lockerungen liegen die Aktivitäten wieder auf Vorkrisenniveau und zum Teil sogar darüber”, berichtet Kai Enders, Vorstandsmitglied der Engel & Völkers AG. „Die Immobilienpreise sind in den vergangen Wochen stabil geblieben. Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem leichten Preisanstieg.“

Berlin erlebt virtuellen Boom

Auch wenn die Corona-Pandemie allerorten für Verunsicherung sorgte, hat sich das Verhalten der Immobilieneigentümer in Berlin nicht grundlegend verändert. So verzeichnete Engel & Völkers in der Hauptstadt weder bei den angefragten Einwertungen noch bei der Anzahl der zum Verkauf stehenden Objekte wesentliche Rückgänge. „Wir haben extrem viele Anfragen erhalten” berichtet Christian von Gottberg, Geschäftsführer des Engel & Völkers Market Center Berlin Hohenzollerndamm. In der Spreemetropole erfreute sich zudem neuartige Technik (möglicherweise gezwungenermaßen) großer Beliebtheit: So verdoppelte sich im Untersuchungszeitraum die Anzahl der virtuellen Besichtigungen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass diese die realen Besichtigungen vollständig ersetzen: Deren Zahl ging nur minimal zurück – obwohl persönlicher Kontakt mit Fremden in den letzten Wochen ja durchaus als hochgefährlicher Akt angesehen wurde.

Mehr Probleme als die Besichtigungen bereitete die Bezahlung: So verzögerten sich in Berlin ca. 44 % der Abschlüsse wegen Finanzierungsengpässen. „Ein Scheitern von Abschlüssen aufgrund der Corona-Situation haben wir allerdings nicht erlebt”, erklärt Günter Th. Fischer, Geschäftsführer des Engel & Völkers Market Center Berlin-Mitte. Dementsprechend optimistisch fällt die Zukunftsprognose aus. „Auch während der Krise sind unsere Umsätze stabil geblieben. Mit den Lockerungen kehren nun auch die Verkäufer verstärkt zurück”, so Christian von Gottberg. „Die Preise bewegen sich auf unverändert hohem Niveau. Daran wird sich aus unserer Sicht zunächst auch nichts ändern”, ergänzt Günter Th. Fischer.

Möglicherweise hat die Corona-Pandemie das Bedürfniss der Menschen gesteigert, zwar im Freien zu sein, dennoch das eigene Grundstück nicht verlassen zu müssen. So sind in Berlin aktuell vor allem Häuser und Wohnungen gefragt, die über einen Garten oder eine Terrasse bzw. Dachterrasse verfügen. In Toplagen wie Berlin-Dahlem können  für solche Villen bis zu 10 Millionen Euro erzielt werden. Für Eigentumswohnungen werden derzeit Preise bis 21.000 Euro aufgerufen.

Wie die Entwicklung in Hamburg und München verlief, lesen Sie auf Seite 2