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Seit Jahresbeginn hat der Goldpreis ein gutes Sechstel zugelegt. Neben politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten scheint das Edelmetall vor allem von der Geldpolitik zu profitieren, denn diese macht den entscheidendsten Nachteil von Gold derzeit irrelevant.

Gold bringt keine Zinsen – dieses beliebte Argument aller Goldkritiker ist längst obsolet: Auch Anlageformen, mit denen man früher Sicherheit und Rendite einigermaßen in Einklang bringen konnte (Sparbücher, Anleihen, Lebensversicherungen) bringen heute keine oder keine nennenswerten Zinsen mehr – mille Grazie, Signore Draghi! Auch wenn es am 1. November auf dem Chefsessel der EZB einen Wechsel gab, ist nicht zu erwarten, dass sich die Geldpolitik des Euroraums künftig verändern wird: Draghis Nachfolgerin Christine Lagarde gilt ebenfalls als Verfechterin einer ultralockeren Geldpolitik. Für Ronny Wagner ist die Notenbankpolitik einer der wesentlichen Gründe, warum Gold für Anleger immer attraktiver wird und der Preis des Edelmetalls in den vergangenen Monaten deutlich nach oben gegangen ist. „Es gibt sicherlich eine ganze Menge an Argumenten, die dafür herhalten können, die Entwicklung des Goldpreises der letzten Monate zu erklären. Gold scheint vor allem durch die ständigen Interventionen der Zentralbanken immer attraktiver zu werden“, erläutert der Geschäftsführer der Noble Metal Factory OHG. Wie sehr der Goldpreis mit der Notenbankpolitik korreliert, lässt sich mit einem Blick ein Jahrzehnt zurück gut nachvollziehen: Nachdem das Edelmetall das Jahr 2008 mit einem Kurs von 881,45 Dollar beendete, setzte in der Folgezeit ein massiver Anstieg ein: Seit September 2009 lag der Goldpreis nicht mehr unter der Marke von 1.000 Dollar und Anfang September 2011 wurde mit 1.900,85 Dollar sogar ein Allzeithoch erreicht.

Während Gold also immer mehr an Wert gewann, gingen die Zinsen deutlich zurück: So unternahm die US-Notenbank Fed im Jahr 2008 gleich sieben Zinsschritte und senkte dabei den Leitzins von 4,25 % auf 0,0 bis 0,25 %. Dieser Wert wurde dann auch über die kommenden sieben Jahre nicht angetastet. Seitdem wurde er immer nur leicht erhöht und kam nicht über die Marke 2,5 % hinaus. In den vergangenen Monaten entwickelte sich der Leitzins sogar wieder rückläufig. Weniger schnell, darüber umso nachhaltiger senkte die EZB die Zinsen: Nachdem der Leitzins im Sommer 2008 noch 4,25 % betragen hatte, ging er bis Frühjahr 2016 auf 0 % zurück.

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