Nachhaltigkeit im Private Banking: Komitee ist King

Ralf Vielhaber, Geschäftsführer Verlag Fuchsbriefe / Foto: © Verlag Fuchsbriefe

Zum 18. Mal nimmt FUCHS | RICHTER PRÜFINSTANZ Vermögensverwalter unter die Lupe – diesmal mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit. Der Markttest beinhaltet Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein. Im großen finanzwelt-Interview spricht der Herausgeber der Fuchsbriefe Ralf Vielhaber über Gewinner, Verlierer, den Kittel-Brenn-Faktor und über die Qualitäten, die den Unterschied ausmachen.

finanzwelt: Was sind die wichtigsten Ergebnisse Ihres diesjährigen Vermögensverwalter-Tests?
Ralf Vielhaber: Nachhaltige Geldanlage kommt im Private Banking gerade erst an. Erstklassige Beratung auf diesem Gebiet ist noch rar. Liechtenstein ist eine Hochburg für nachhaltiges Private Banking. Die meisten Banken und Vermögensverwalter waren suboptimal für die digitale Beratung aufgestellt, aber sie bemühten sich, flexibel mit der Situation umzugehen. In den Standardsituationen einer Privatkundenberatung – ganzheitliche Evaluation, Klärung des Rendite-Risiko-Profils des Kunden – sind die meisten Häuser inzwischen sattelfest. Qualitativ, auf Länder runtergebrochen, rücken die Finanzplätze wieder enger zusammen. Vor allem Deutschland hat sich grosso modo verbessert.

finanzwelt: Sie haben dieses Jahr besonders nachhaltige Depots getestet. Haben die Anbieter hier wirklich schlüssige Konzepte oder haben sie sich nur ein grünes Mäntelchen umgehängt?
Vielhaber: Es gibt solche und solche. Eine Handvoll ist in dem Bereich top aufgestellt: eigenes, wirklich sehr gutes Research, ein Fachbeirat, eine tiefe Durchdringung des Themas und die konsequente Umsetzung nachhaltigen Wirtschaftens auch im eigenen Hause bis hin zu Impact Investing sind hier zu finden. Dann gibt es die breite Masse. Das Gros der Häuser arbeitet sicherlich mit Standardprozessen und Standard-Nachhaltigkeitsfiltern der einschlägigen Agenturen. Sie versuchen Kundenwünsche umzusetzen. Sie geben aber nicht vor, selbst Nachhaltigkeitskönige zu sein. Insofern würde ich nicht einem grünen Mäntelchen sprechen wollen.

finanzwelt: Welche Qualitäten muss denn ein Anbieter noch mitbringen, der nachhaltige Depots gut managen will? Einige haben Sie ja gerade schon genannt.
Vielhaber: Er muss sich vertieft mit nachhaltigem Investieren auseinandergesetzt haben. Er muss die verschiedenen Filter und Filtermethoden kennen und deren Unterschiede. Er muss sich auf das Wertesystem seines Kunden einlassen und ihm ein kluger Diskussionspartner sein, der ihm auf die Sprünge hilft, die richtigen Entscheidungen und Abwägungen zu treffen. Denn das Thema ist komplex und durch die zahllosen, oft widersprüchlichen Filter für manchen frustrierend. Er hat idealerwiese ein Komitee, das sich über die käuflichen Ratingfilter hinaus mit dem eigenen nachhaltigen Anlageuniversum auseinandersetzt. Und idealerweise leben seine Berater das Thema auch selbst.

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