Karrierestart für High Potentials: Fintech oder Old-School-Bank?

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Das einzig Beständige ist der Wandel – ein Spruch, der in besondere Maß auf die Finanzbranche zutrifft: Die großen Banken müssen die Digitalisierung stemmen. Gleichzeitig drängen Fintech-Unternehmen auf den Markt und versuchen, den Platzhirschen Kunden abzujagen. Für junge Finanztalente stellt sich da die Frage: In welchem Lager sollen sie ihre Karriere starten?

Große Namen, große Probleme

Niedrigzins, Strukturwandel, Filialschließung, Stellenabbau: Die großen Kredithäuser haben zahlreiche Baustellen. Schuld daran ist nicht nur die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, sondern auch eine gewisse Trägheit, die sich breitgemacht hat. Die IT wurde nicht rechtzeitig erneuert, Prozesse nicht optimiert. Jetzt müssen Unternehmen wie Deutsche Bank und Commerzbank an vielen Schrauben gleichzeitig drehen. Und dazu brauchen sie die jungen Talente der nächsten Generation.

Junge Wilde mit Kinderkrankheiten

Bei den Fintechs hängt alles vom Geschäftsmodell ab: Ist es erfolgsversprechend, kann ein Einstieg die Karriere beflügeln. Andererseits müssen auch Finanz-Start-ups Veränderungen bewältigen: Stellt sich der Erfolg ein, müssen die flachen Hierarchien erweitert werden. Das ist oft schwierig – vor allem, wenn Gründer nicht delegieren können oder wollen. Hinzu kommt, dass die Aufbruchsstimmung schnell verfliegt, wenn die Expansion ansteht – oder sich die Geschäftsidee des Start-ups als nicht tragfähig erweist.

Beide Lager bieten Zukunft

Innovation Lab oder Fintech? Die Kluft zwischen etablierten Banken und agilen Start-ups ist schmaler, als viele denken. So haben in jüngster Zeit Fintech-Größen wie der Lendico-Gründer Dominik Steinkühler und der OutBank-Entrepeneur Tobias Stöger das Lager gewechselt.

So ein Schritt ist immer ein individueller, der Mut zum Wechsel kann sich aber lohnen – eine Karriere in der Finanzbranche muss nicht von Anfang an glatt verlaufen. Wie hier über tecis-Manager Daniel Donner zu erfahren ist, kann die berufliche Entwicklung sogar ganz woanders beginnen, bevor sie Fahrt aufnimmt – im Falle des Divisional Managers der tecis Finanzdienstleistungen AG sogar über den Umweg Bundeskriminalamt (BKA).

Der Switch vom Fintech-Start-up zum etablierten Finanzdienstleister oder vice versa erscheint vor diesem Lebenslauf fast schon konventionell – und deutet auf Zukünftiges hin: die Kooperation von Banken-Dinos und Fintechs. Die einen haben den Kundenstamm, die anderen die Innovationen. Wo ein High Potential je nach Talent und Neigung startet, ist für die Karriere wahrscheinlich gar nicht so relevant.

Autor: Gregor Pirali