Ist die „weiche Landung“ Träumerei?

Rolf Ehlhardt, Vermögensverwalter, I.C.M. Independent Capital Management Vermögensberatung Mannheim GmbH / Foto: © I.C.M.

Ich möchte nicht in der Haut der Notenbänker stecken. Aber sie müssen jetzt die Suppe auslöffeln, die sie sich selbst eingebrockt haben. Zu lange haben sie den bequemen Weg der falschen Notenbankpolitik fortgesetzt. Während die Verantwortlichen noch immer alles verharmlosen (DIW-Chef Fratscher spricht bei Inflation sogar von Panikmache!!), mehren sich die Meinungen, dass diejenigen, die das Problem geschaffen haben, es nicht lösen können (Erfahrungswert). Der Inflationskarren ist verfahren und steckt nicht nur im Schlamm, sondern tief im Moor. Es gibt offensichtlich nur noch Lösungen, die den Bürgern weh oder sehr weh tun.

In Sachen Inflation weht gerade der perfekte Sturm. Die Zinsen sind rekordtief, die Geldmenge riesengroß. Noch höher der Schuldenberg, der adäquate Zinserhöhungen verhindert. Die gerissenen Lieferketten reduzieren das Angebot, das die noch immer vorhandene Nachfrage nicht befriedigen kann. Die Preise steigen. Der Ukrainekrieg führt zur Reduzierung von Rohstofflieferungen, sowohl im Bereich Energie als auch bei Nahrungsmittel. Deren Preise steigen auch. Überall fehlen Fachpersonal, und der Krankenstand ist wegen der Pandemie noch hoch. Die Infektionszahlen steigen schon wieder. Minister Lauterbach warnt, aber keinen interessiert es. Inflation und angespannter Arbeitsmarkt hat eine Lohn-Preis-Spirale losgetreten. Die Einfuhrpreise steigen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die EZB „bekämpft“ das Dilemma mit einer Zinserhöhung  von minus 0,50 auf null Prozent. Man wirft also mit Bananen auf Langstreckenraketen.

Die aus volkswirtschaftlicher Sicht wirksamste Inflation Bekämpfung wäre eine Rezession. Die will man aber unter allen Umständen vermeiden. Sie wäre verbunden mit Gewinneinbrüchen der Unternehmen, aber auch mit einem kräftigen Anstieg der Insolvenzen, vor allem viele Zombie-Firmen gingen bankrott. Die Pleitewelle würde die Arbeitslosenzahlen explodieren lassen. Die Preise für Aktien, Anleihen und Immobilien crashen. Folgen wären eine Schulden- und damit Bankenkrise. Auch das Auseinanderfallen des Euros würde wieder zum Thema.

Die Notenbanken und die Politik weltweit werden versuchen, dieses Schreckensszenario zu verhindern. Aber, dann können sie die Geldmenge nicht kräftig zurückfahren und die Zinsen nicht Bedarfskonform erhöhen. Sie können auch nicht die Schulden reduzieren. Oder die Lieferketten kitten, denn dazu müssten sie China zwingen, ihre Corona-Politik zu ändern. China will einfach nicht zugeben müssen, dass ausländische Impfstoffe wirksamer sind. Sie können auch nicht den Ukrainekrieg beenden, der länger dauern wird, als selbst Russland geplant hat. Sanktionen und Gegensanktionen sind wahrscheinlich sogar noch nicht am Höhepunkt angelangt. Sie können auch nicht den Fachkräftemangel beseitigen, so dass der Arbeitsmarkt weiter angespannt bleibt. Die Arbeitnehmer fordern inflationsbedingt höhere Gehälter. Trotzdem geht ihr Lebensstandard zurück, so dass im kommenden Jahr weitere Forderungen zu erwarten sind. Solange die Lohnstückkosten steigen, steigt auch die Inflation bzw. bleibt hoch. Im Herbst fallen noch die kurzfristigen Entlastungsmaßnahmen weg, so dass die Inflation nur wenig zurückgehen wird.

Weiter auf Seite 2