Europaweite Kritik an Wohnungspolitik

Nach Meinung vieler Europäer wird in Europa häufig eine falsche Wohnungsbaupolitik betrieben / Foto: © Yuttana Studio - stock.adobe.com

Vor kurzem wurde in Deutschland die Mietpreisbremse verlängert, eine Maßnahme, die auf fehlenden ökonomischen Sachverstand der Politik hindeutet: Ein Eingriff in den Preismechanismus hat noch niemals für den Verbraucher eine positive Wirkung gehabt. Eine aktuelle Umfrage der ING zeigt, dass die Verbraucher in Europa offensichtlich über mehr Verstand in dieser Hinsicht verfügen.

Jeder muss auf irgendeine Art und Weise wohnen und Immobilienpreise und Wohnungspolitik sind deshalb immer ein Thema, mit dem sich Politiker gut beim Wähler profilieren können. Wie die Verbraucher die aktuelle Wohnungspolitik ihrer Regierung sehen, hat die repräsentative Verbraucherumfrage „ING International Survey“ ermittelt. Diese zeigt interessante Zusammenhänge zur „Property Index“, bei dem die Beratungsfirma Deloitte verschiedene Aspekte des Immobilienmarktes in europäischen Ländern unter die Lupe genommen hat, bspw. die Entwicklung des Preisniveaus und der Bautätigkeit.

„Politik ist auf Holzweg“

In der ING-Umfrage gaben europaweit mehr als die Hälfte der Befragten an, dass ihrer Meinung nach die Wohnungspolitik auf dem falschen Weg sei, in Deutschland waren es sogar 60 %, die sich so äußerten. Noch härter mit der Wohnungspolitik ihrer Regierung gehen die Spanier ins Gericht: Hier glauben zwei Drittel der Befragten, dass ihre Regierung sich in dieser Hinsicht aktuell auf dem Holzweg befindet. Dies wird auch von den Zahlen der Deloitte-Untersuchung gestützt, wonach in dem südwesteuropäischen Staat im vergangenen Jahr gerade einmal 1,53 Wohneinheiten je 1.000 Einwohner fertiggestellt wurden. Je mehr Wohneinheiten in einem Land fertiggestellt werden, desto zufriedener sind die Bürger auch mit der Wohnungspolitik ihrer Regierung.

Hier ist die Nachfrage deutlich größer als das Angebot

In Städten wie München kann es bei Wohnungsbesichtigungen schnell kuschelig werden: Laut einer Untersuchung von ImmobilienScout24 im vergangenen Jahr gibt es in der bayerischen Landeshauptstadt für eine Durchschnittswohnung im Schnitt mehr als 2.000 Interessenten, in anderen großen deutschen Städten sind die Zahlen nicht viel geringer (finanzwelt berichtete). Diese Zahlen machen deutlich, dass auf dem Wohnungsmarkt ein großer Nachfrageüberhang besteht, der dann auch die Preise nach oben treibt. Dieses Problem kennen auch Bürger in Großbritannien und Polen, wo es den geringsten Wohnungsbestand je 1.000 Einwohner gibt. In diesen beiden Ländern sowie in den Niederlanden empfinden die Bürger den Wohnungsmarkt auch als „überfüllt“. Das Problem der „Überfüllung“ des Wohnungsmarktes in Polen wird dadurch abgefedert, dass das Land die höchste durchschnittliche Haushaltsgröße in Europa hat. Deshalb empfinden hier nur wenig mehr Befragte als im europäischen Durchschnitt den Wohnungsmarkt als „überfüllt“ wahr.

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