Eine Assetklasse mit Potenzial

Dorothea Fröhlich, Fondsmanagerin MainFirst / Foto: © MainFirst

Berater und Investoren schauen gespannt auf das Geschehen am Finanzmarkt. Wie wird sich das laufende Jahr, speziell im Anleihensegment, entwickeln? Die Suche nach Zinserträgen treibt indes alle Marktteilnehmer um. Positive Renditen versprechen dabei entfernte Länder. finanzwelt sprach exklusiv mit MainFirst-Portfoliomanagerin Dorothea Fröhlich. Sie verantwortet Anlagen aus Schwellenländern für den MainFirst Emerging Markets Corporate Bond Fund Balanced und den MainFirst Emerging Markets Credit Opportunities Fund.

finanzwelt: Das vergangene Jahr verlief an den Aktienmärkten vieler Emerging Markets durchaus zufriedenstellend bis gut. Trotzdem hinkte der MSCI Emerging Markets mit seiner Performance dem der Industriestaaten hinterher. Wie schätzen Sie die Chancen 2020 für eine Outperformance der Schwellenländer ein?

Fröhlich: Die tiefen Zinsen und das schwache Wirtschaftswachstum in Europa – aber auch in den USA – lassen Unternehmensanleihen aus Schwellenländern besonders attraktiv aussehen. Zwar befinden sich auch die Schwellenländer seit der Rohstoffkrise in einem etwas langsameren Wirtschaftszyklus, dennoch tragen sie messbar mehr zum Weltwirtschaftswachstum bei. Auch fürs nächste Jahr sind die Prognosen vielversprechend. Während das Wachstum in den USA und Europa weiter rückläufig erwartet wird, soll es laut dem Internationalem Währungsfonds in den Schwellenländern von 3,9 % in diesem Jahr auf 4,8 % in 2020 ansteigen. Dazu kommen niedrige Bewertungen, besonders im hochverzinslichen Bereich, und gesunde Unternehmensbilanzen. Es ist nur eine natürliche Konsequenz, dass diese Anlageklasse interessant für Investoren ist und 2019 Nettozuflüsse verzeichnete.

finanzwelt: Wo sehen Sie (regional und branchenspezifisch) besondere Chancen? Wie schaut es mit den Risiken aus (Rückgang der Weltwirtschaft)?

Fröhlich: Aus Sicht der Bewertung, und wenn wir jetzt mal nur die größeren Länder betrachten, erachten wir China als besonders attraktiv. Die Wachstumsverlangsamung, die ja schon seit Jahren strukturell bedingt fortschreitet und nun seit Trump’s Handelskrieg noch akuter geworden ist, ist für das Land und Investoren gleichermaßen eine Herausforderung. Wir sehen aber, dass besonders im High Yield Bereich die Bewertungen mehr Stress einpreisen, als fundamental tatsächlich gerechtfertigt ist.

Von den großen Ländern abgesehen, begeistern wir uns für Orte, die etwas abseits der globalen Trends liegen. Das ist z.B. ein Land wie Georgien, das trotz den Aufs und Abs seiner großen Nachbarn seit Jahren ein sehr stabiles hohes Wachstum von 4 bis 5 % aufweist.

Grundsätzlich suchen wir in unserem Fondsteam aber primär nach guten Unternehmen. Diese gibt es auch in Ländern, in denen die Fundamentaldaten oder die politische Lage nicht nur positiv sind, z.B. IHS in Nigeria. In Nigeria wird vermehrt die Telekommunikations-Infrastruktur ausgebaut, unter anderem durch lokale Unternehmen wie IHS, welches Mobilfunk-Antennen betreibt. Das Unternehmen profitiert vom tieferen Ölpreis, da dieselbasierte Energiekosten mehr als die Hälfte der operativen Kosten ausmachen.  Auch eine Abwertung der lokalen Währung schwächte die Einnahmen des Unternehmens nicht, da die Mehrheit der langjährigen Verträge mit USD Tarifen fixiert sind. In der Folge konnte das Unternehmen in den letzten Jahren die Corporate Leverage senken und auf sehr attraktiven Niveau refinanzieren.

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