Diese Immobiliensegmente sind von Corona unbeeindruckt

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Im Gegensatz zu den Aktienmärkten sind die Immobilienmärkte eher von Lang- als von Kurzfristigkeit geprägt. Das zeigt sich auch wieder in der aktuellen Corona-Krise. Diese dürfte allerdings dennoch Auswirkungen haben – wenn auch weniger preislicher Natur.

Was zum Jahreswechsel als „neuartige Lungenkrankheit in China“ begann, hat sich zu einem globalen Problem entwickelt, dem mit beispiellosen Maßnahmen mehr oder weniger sinnvoll entgegengetreten wird. Vor allem die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie dürften extrem sein. „Die Konjunktur in Deutschland bricht als Folge der Corona-Pandemie ein. Um die COVID-19-Pandemie abzubremsen, hatte der Staat die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland seit März stark eingeschränkt. Deshalb dürfte nach unseren Berechnungen das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 5,8 % schrumpfen“, prognostizierte Andreas Schulten, Generalbevollmächtigter von bulwiengesa, heute im Rahmen der Online-Pressekonferenz „Deutsche Büro- und Wohnungsmarktprognosen 2020 – kurzfristiger Marktschock oder langfristiger Einbruch? Wie entwickeln sich die Immobilienmärkte?“ bei der auch noch Kruno Crepulja, CEO von Instone Real Estate und Hans-Joachim Lehmann, Geschäftsführer der Warburg-HIH Invest Real Estate, einen Blick in die Zukunft wagten.

Die Folgen der Krise dürften viele Menschen auch am eigenen Leib spüren: „Die Rezession hinterlässt auch Spuren auf dem Arbeitsmarkt und vor allem im Staatshaushalt. Im Jahresdurchschnitt wird die Arbeitslosenquote auf 5,6 % ansteigen. Dies entspricht einem Plus von 296.000 Arbeitslosen mehr als 2019“, so Schulten weiter. Jedoch würden das Konjunkturpaket und Instrumente wie Kurzarbeit die Auswirkungen in Deutschland abfedern. Deshalb rechnet bulwiengesa auch mit keinem Einbruch und nur mit geringfügigen Experten in den A- und B-Städten. „Die deutschen Büromärkte sind geprägt durch eine hohe Flächennachfrage und ein geringes Angebot. Die Rezession, so wie sie sich momentan darstellt, ist aus unserer Sicht nicht wirklich gefährlich für den Büroimmobilienmarkt“, so die Einschätzung von Andreas Schulten, der seine These zudem mit Zahlen untermauert: „In den Jahren 2005 bis 2020 sind in Deutschland rund zwei Millionen neue Bürobeschäftigte hinzugekommen. Die brauchen rund 50 Millionen Quadratmeter an Bürofläche. Gebaut wurden aber in derselben Zeit nur drei Millionen Quadratmeter. Das ist ein Garant für den Büroimmobilienmarkt.“ bulwiengesa geht daher von stabilen Bürospitzenmieten aus, jedoch erwartet das Immobilienberatungsunternehmen keine Preissprünge, wie sich in den vergangenen Jahren zu beobachten waren. Zudem würde sich der Büroleerstand in den kommenden Monaten nur leicht erhöhen. Ähnlich sieht Hans-Joachim Lehmann die Lage: „Im Bereich Büroimmobilien ist die Corona-Krise ein atypischer Faktor, der nicht aus ökonomischen Gründen entstanden ist. Die Stimmung zieht derzeit die Märkte nach unten. Die Stimmung wird sich aber wieder aufhellen. Denn die Krise trifft einen robusten Büroimmobilienmarkt mit historisch niedrigen Leerstandsraten und einer geringen Produktpipeline. Die Herausforderung ist die Plötzlichkeit der Krise, aber nicht die langfristigen Folgen. Die aktuellen Entwicklungen auf dem Büromarkt werden sich mittelfristig wieder zugunsten des Büromarkts nivellieren.“

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