Deshalb kommt es jetzt auf Konzept und Fondsmanager an

Gerald Feig, Geschäftsführer FLEX Fonds Capital GmbH / Foto: © FLEX Fonds

Das Coronavirus zeigt, wie angreifbar und verletzlich unsere offenen Gesellschaften sind – und das in einem Ausmaß, das noch wenige Wochen zuvor als völlig undenkbar gegolten hätte, wie ein überspitzter Katastrophenfilm. Angesichts der für manche lebensbedrohlichen und für andere existenzbedrohenden Realität sind die Sorgen von Immobilieninvestoren freilich überschaubar. Dennoch ist es nicht unangemessen oder illegitim, sich über die Konsequenzen für die eigene Kapitalanlage Gedanken zu machen – ganz gleich, ob es sich dabei um eine direkt gehaltene Immobilie oder einen Immobilienfonds handelt.

Während an den Börsen binnen weniger Tage Milliarden vernichtet wurden, haben Immobilien wieder einmal gezeigt, dass man mit ihnen als langfristig orientierter Investor auch in Krisensituationen zunächst mal gut schlafen kann. Die Volatilität ist viel geringer. Und während an den Aktienmärkten selbst die Papiere stabiler Unternehmen in Sippenhaft genommen werden, sind kurzfristige Wertverluste im zweistelligen Bereich, die direkt aufs Depot durchschlagen, bei Immobilien allenfalls eine sehr seltene und dann strukturell begründete Ausnahme. Übrigens haben deutsche Immobilienaktien in den Tagen der Coronakrise deutlich geringere Einbußen zu verkraften gehabt als der Gesamtmarkt. An den Aktienmärkten spiegelt sich die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung wider, während die Immobilien in der Regel unverändert weiter genutzt und die Mieten pünktlich gezahlt werden.

Mit Wohn- und LEH-Immobilien kann man trotz Corona gut schlafen

Kein Grund zur Sorge also für Bestandshalter? So einfach ist es leider nun auch wieder nicht angesichts dieser historisch bislang für das moderne Europa absolut einmaligen Situation. Die Auswirkungen hängen in erster Linie davon ab, wie lange dieser Ausnahmezustand anhält – und sind je nach Nutzungsart sehr unterschiedlich. Die Situation für Wohnimmobilien beispielsweise wird nur marginal durch die Coronakrise beeinflusst. Der strukturelle Nachfrageüberhang in den großen Städten wird sich nicht auflösen: Nach wie vor ist die Nachfrage größer als das Angebot und es wird zu wenig neuer Wohnraum geschaffen. Das gilt übrigens nicht nur für die Metropolen, sondern auch für viele andere attraktive Städte in wirtschaftlich starken Regionen. Mag sein, dass bei längerem Anhalten der Krise vorübergehend etwas weniger umgezogen wird. Zudem werden sich einige Privatinvestoren mit Investments zurückhalten, solange die Krise anhält. Und sollte eine schwerwiegende Rezession mit einer Trendwende am Arbeitsmarkt die Folge sein, dürfte das Wachstumspotenzial bei den Mieten an seine Grenzen stoßen (was teilweise bereits der Fall ist). Ein deutlicher Rückgang der Mieten auf das Niveau von vor zehn Jahren ist jedoch ebenso wenig zu erwarten wie ein sprunghafter Anstieg der Leerstände. Bestandshalter können deshalb größtenteils beruhigt sein.

Was die aktuelle Lage für den Lebensmitteleinzelhandel sowie für Hotel- und Gastronomiebetriebe bedeutet, lesen Sie auf Seite 2