Corona bremst Immobilienmarkt

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In den vergangenen Jahren sind die Immobilienpreise in Deutschland zum Teil rasant gestiegen. Die Corona-Krise könnte diese Entwicklung zumindest gebremst haben. Auch in anderer Hinsicht könnte die Zeit nachhaltig Wirkung haben.

Prognosen sind bekanntlich schwierig weil sie die Zukunft betreffen: Noch im Januar, als Covid-19 noch vermeintlich weit war, gingen Immobilienvermittler laut einer Erhebung der LBS davon aus, dass die Preise für Eigenheime und Eigentumswohnungen um 4 % steigen werden, für Bauland wurde ein Preisanstieg von 6 % prognostiziert. Vier Monate später, nachdem die Corona-Krise zu einer vorher nicht möglich gehaltenen, beispiellosen Krisensituation führte, sieht die Erwartung an die Preisentwicklung völlig anders aus: So gehen die Immobilienvermittler in einer Sonderbefragung der LBS nun davon aus, dass die Preise auf dem Immobilienmarkt bis zum Herbst stabil bleiben werden.  „Corona bremst den Preisanstieg bei Wohnimmobilien zumindest vorübergehend aus“, erläutert LBS Verbandsdirektor Axel Guthmann die Ergebnisse der aktuellen Erhebung. „Die Marktkenner rechnen in allen Bundesländern mit einem weiterhin knappen Angebot, aber auch mit einer etwas gedämpften Nachfrage“. Grundlage für die jetzt erschienene LBS-Analyse „Markt für Wohnimmobilien 2020“ ist die jährliche Befragung der rund 600 Immobilienmarktexperten von LBS und Sparkassen.

Erschwerte Objektbeschaffung bremst Nachfrage

Über Wochen hinweg gab es in Deutschland die Regelung, dass man sich nur mit einer Person treffen durfte, mit der man nicht im Haushalt lebt. Diese Kontaktbeschränkungen haben den Immobilienvermittlern die Objektbeschaffung deutlich erschwert. Daher erwarten sie bis zum Herbst ein konstantes bis leicht rückläufiges Angebot. Wie die längerfristige Entwicklung verläuft, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Vieles, was vor der Krise die Einschätzung des Wohnungsmarkts bestimmt habe, gelte weiter, erklärt Verbandsdirektor Guthmann. Die zum Verkauf stehenden Eigentumswohnungen und Eigenheime waren knapp und seien es immer noch.

Nach Einschätzung der LBS-Immobilienvermittler dürfte die Nachfrage nach Baugrund, Häusern und Wohnungen, ausgehend von sehr hohem Niveau, in den kommenden Monaten etwas zurückhaltender ausfallen als in der Zeit vor Corona. Jedoch würde die Entwicklung regional sehr unterschiedlich verlaufen. So rechnen die Befragten bspw. bei Eigenheimen in den südlichen und östlichen Bundesländern mit einem leichten Rückgang des Interesses, während die norddeutschen Befragten von einer unveränderten Nachfrage ausgingen. „Ein Grund könnte sein, dass die Wirtschaftslage in Regionen unsicherer ist, die stark von der Autoindustrie geprägt sind“, erläutert Guthmann. Er erwartet, dass der Zusammenhang zwischen Wohnimmobilienmarkt und Konjunkturverlauf im nächsten Jahr noch stärker zum Tragen kommt: „Je nachdem, wie sich die Wirtschaft in Deutschland und bei seinen wichtigsten Handelspartnern entwickelt und wie stark die Arbeitslosigkeit steigt, wird sich auch das Kaufinteresse der privaten Haushalte entwickeln.“

Basierend auf ihren aktuellen Beobachtungen zu Angebot und Nachfrage erwarten die Immobilienmarkt-Experten der LBS bis zum Herbst zunächst eine Atempause bei den Kaufpreisen. „Weiter in die Zukunft wollten wir bei der Sonderabfrage nicht schauen, weil aus heutiger Sicht noch nicht seriös vorherzusagen ist, wohin die Reise geht“, betont Guthmann. Wichtig sei vor allem, den Immobilienmarkt regional differenziert zu betrachten: „Unser diesjähriger Immobilienpreisspiegel für mehr als 1.000 Städte hat erneut immense Unterschiede im Preisniveau zu Tage gefördert.“

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