Corona beschleunigt Wandel

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Nicht zuletzt aufgrund der Konkurrenz durch den Online-Handel befindet sich der stationäre Einzelhandel seit Jahren in einem Umbruch. Dieser dürfte sich durch die Corona-Krise beschleunigt werden. Das geht aus dem heute veröffentlichten HAHN Retail Real Estate Report 2020/2021 hervor.

Im Frühjahr waren Geschäfte des nicht-täglichen Bedarfs über Wochen geschlossen. Drogerie-, Lebensmittel-, sowie Bau- und Gartenmärkte waren hingegen geöffnet und sind deshalb von den Folgen der Krise nur wenig betroffen. Diese Segmente zählen deshalb neben Möbel sowie Hobby & Freizeit zu den expandierenden Einzelhandelsbranchen. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass sie aus strukturellen Gründen für den Online-Handel weniger anfällig sind als bspw. die Unterhaltungselektronikbranche. Auch für die zweite Jahreshälfte 2020 sind diese Branchen optimistisch, wie aus dem heute veröffentlichten HAHN Retail Real Estate Report 2020/2021 hervorgeht, den die Hahn Gruppe in Zusammenarbeit mit CBRE, bulwiengesa und dem EHI Retail Institute erstellt hat.

Nahversorgung, Möbel sowie Freizeit & Hobby stehen mit ihrem optimistischen Ausblick auf das zweite Halbjahr im Kontrast zu den anderen Einzelhandelssegmenten, die ihre Expansionsbestrebungen deutlich zurückgefahren haben. So wollen laut HAHN Retail Real Estate Report 58 % aller Einzelhändler ihr Filialnetz halten oder sogar noch ausdünnen, 14 Prozentpunkte mehr als bei der Vorjahresbefragung. Lediglich 42 % planen, zum Jahresende über mehr Standorte zu verfügen.

Naht das Ende des Shopping-Centers?

Die Corona-Krise hat die divergierenden Trends hinsichtlich der präferierten Einzelhandelslagen und Objekttypen weiter verstärkt. So gingen HAHN Retail Real Estate Report 77 % der Befragten davon aus, dass sich Shopping-Center langfristig eher negativ entwickeln werden, 59 % sind der Meinung, dass künftig auch Nebenlagen von Oberzentren als bedeutende Einzelhandelsstandorte an Attraktivität verlieren werden. Wesentlich besser werden hingegen die Zukunftsaussichten für Toplagen in Oberzentren und Stadtkerne von Mittelzentren eingestuft, die von 68 % bzw. 64 % der Befragten langfristig als positiv und als krisenresilient eingestuft werden. Noch bessere Zukunftsaussichten werden hingegen Mixed-Used-Immobilien bescheinigt, die sich schon der Prä-Corona-Zeit bei Investoren und Händlern gleichermaßen als Assetklasse etabliert haben: Diese Nutzungsart wird von 84 % der Befragten Zukunftsfähigkeit und Krisenresilienz bescheinigt. Die besten Zukunftsaussichten werden jedoch Fachmarktzentren bescheinigt: Bei diesen sind 88 % der befragten Expansionsbeauftragten der Meinung, dass diese eine stabile oder positive Entwicklung nehmen werden. Diese Standorte profitierten durch ihre in der Regel (nah-)versorgungsorientierte Ausrichtung und die lebensmittelgeankerte Mieterstruktur, weshalb sie von den coronabedingten Schließungen nur am Rande betroffen waren.

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