Auf geht´s in eine neue Runde

29.04.2021

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Indexfonds sind günstig, zudem liquide und transparent. Insbesondere das erste Argument ist für viele Investoren, speziell jene, die Premierenluft schnuppern, ausschlaggebend. Gebühren von um die 0,2 % sind eine Ansage. Und viele Broker und Direktbanken unterbieten sich quasi beim Kostenaspekt. So bietet beispielsweise die ING neuerdings viele Sparpläne kostenfrei an. Mit dem zweiten Argument, der Liquidität, ist jedoch ein etwas neuralgischer Punkt angesprochen. Tatsächlich kann es für den Index-Investor zum Problem werden, wenn der Markt gravierend fällt, die Volatilität klettert und die Einzeltitel sich sehr unterschiedlich entwickeln. In diesem Umfeld könnte wiederum ein aktiver Asset Manager seine Vorteile durchaus ausspielen. „In hoch liquiden, effizienten Märkten – wie zum Beispiel US-Staatsanleihen – können ETFs eine gute Wahl sein. Für weniger liquide, wenig diversifizierte Märkte wie Frontier- oder Schwellenländer, aber auch bei Dividendenstrategien können dagegen aktive Fonds Vorteile bieten“, so Deutschland-Chef Wolf. Insofern gilt wohl die Richtschnur, nach der tendenziell größere Märkte mit entsprechenden, passiven Indexfonds abgebildet werden können, wohingegen aktive Fonds ihre Stärken insbesondere bei kleineren Märkten und Strategien ausspielen.

Interessant wird es, wenn ein Produkt die Vorteile sowohl der aktiven als auch der passiven Investmentwelt nutzt, im Ergebnis weniger Kosten verursacht und deshalb eine höhere Rendite erzielen kann. Insofern überrascht es weniger, dass aktiv verwaltete ETFs boomen. Ihnen könnte die Zukunft gehören. In einer Umfrage von J.P. Morgan Asset Management unter mehr als 350 Anlageprofis zeigten sich die Befragten unlängst davon überzeugt, dass bis zum Jahr 2023 rund 40 % des gesamten in ETFs investierten Kapitals in aktiv verwalteten oder Smart-Beta-Produkten stecken wird. Ebenfalls interessant ist die Entwicklung sogenannter Themen-ETFs. Klimawandel, Digitalisierung und Demografie sind einige Schlagwörter in diesem Zusammenhang. „Themen- ETFs sind beliebt, da sie strukturelle, disruptive Veränderungen in der Wirtschaft, der Gesellschaft und im Privatleben abbilden, die nicht über herkömmliche Länder- und Regionen oder Branchen-Strategien erfasst werden können. Aber auch und gerade bei Themen-ETFs liegt die Herausforderung im Detail“, sagt LGIM-Experte von Königsmarck.

Active share entscheidend

Ist nun der Kampf beider Anlagestile einfach zu entscheiden? Nein. Denn auch im Universum des aktiven Fondsmanagements ist der gezielte Blick unerlässlich. Nicht jeder Fondsmanager ist wirklich so aktiv im Sinne des Lösens von der Benchmark. Idealerweise verwalten die Manager aktiv das Portfolio und vollziehen die nach ihrer Meinung besten Käufe. Sie nehmen gezielt Umschichtungen vor und passen die Gewichtung an. Am Ende kommt es auf den Anleger an, sich den passenden Fonds herauszusuchen. Beispiel: Deutschland-Fonds der Häuser DWS, Fidelity oder auch MainFirst haben einen hohen Active Share, der als Gradmesser für die Aktivität des Fondsmanagers gilt. ETFs auf der anderen Seite haben den Charme, insbesondere die jüngere Kundschaft mit attraktiven Konditionen zu überzeugen. Nicht umsonst ist die Zahl der ETF-Sparpläne konstant am Steigen. (ah)