Zins schlägt den Faktor Lage

Andreas Schroback, CEO der AS Unternehmensgruppe Holding GmbH / Foto: © AS Unternehmensgruppe

Steigende Immobilienpreise, Zinswende, Ukraine-Krieg, Lieferkettenprobleme, Baustoff- und Handwerkermangel, explodierende Preise bei der Materialbeschaffung. Der Wohnimmobilienmarkt erlebt bewegte Zeiten. Immer mehr Bauprojekte werden inzwischen von Projektentwicklern und Wohnungsbaugesellschaften auf Eis gelegt. In der Entwicklung bei der Schaffung von weiterhin dringend benötigtem Wohnraum erwarten manche Experten inzwischen einen deutlichen Dämpfer. Die Corona-Pandemie hat zudem die Arbeitswelten vieler Branchen in den vergangenen zwei Jahren erheblich verändert. Das Arbeiten im Homeoffice hat sich bei vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern bewährt und in den Unternehmen zu einem Umdenken geführt. Das Homeoffice wird in der Zukunft eine immer größere Bedeutung bekommen. Diese Tatsache wird sich auch auf die Wohnbedürfnisse der Menschen auswirken. Der Boom hält zumindest im 1. Quartal 2022 noch unvermindert an. Ob das auch in der Zukunft so bleiben, wie sich der Immobilienmarkt in den kommenden Monaten entwickeln wird und worauf sich die Käufer von Wohneigentum einstellen müssen, darüber haben wir mit Andreas Schrobback, CEO der Berliner AS Unternehmensgruppe Holding GmbH gesprochen. Das Unternehmen ist deutschlandweit, sowohl in der Bestandsverwaltung als auch bei Altbausanierungen und Neubauprojekten als Full-Service Anbieter aktiv.

finanzwelt: Die Immobilienpreise steigen weiter – Wohneigentum verteuert sich um über 10 %. Wie sehen Sie die aktuelle Marktsituation?
Andreas Schrobback» Die Immobilienpreise ziehen weiter an, und der Immobilienpreisindex erreicht einen neuen Höchstwert. Der Boom auf dem deutschen Immobilienmarkt hält trotz des Ukraine-Kriegs auch im 1. Quartal 2022 an. Insgesamt sind die Preise für Immobilien seit Jahresbeginn um 8,8 % gestiegen. Bei Wohneigentum liegt das Plus sogar bei 10,7 %. Der Immobilienmarkt in Deutschland befindet sich damit weiterhin im Aufwind – und das, obwohl die Pandemie nach wie vor nicht endgültig ausgestanden ist und mit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ein höchst beunruhigender moralischer, emotionaler exogener Schock eingetreten ist, auch wenn aktuell noch keine erheblichen Auswirkungen auf dem Immobilienmarkt zu erkennen sind.

finanzwelt: Seit Jahren gehen die Preise nach oben. Lohnt sich ein Immobilienerwerb noch?
Schrobback» Schaut man sich die neuesten Untersuchungen und Kaufpreisprognosen (z. B. HWWI – Hamburger Weltwirtschaftsinstitut) an, muss man dabei detailliert auf die Aussichten bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts, also bis 2035 blicken und diese Prognose bis auf Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte herunterbrechen. So entsteht eine detaillierte ökonomische Landkarte des deutschen Immobilienmarktes in den Jahren nach Corona. Die Immobilienpreise steigen demnach zwar tendenziell weiter, vor allem aber in den Metropolen und ihrem Umland. Aber nicht alle Regionen werden vom Trend profitieren. Die Prognosen basieren dabei im Wesentlichen auf Annahmen zu den langfristigen demografischen Entwicklungen. Werte zu Bevölkerungszahl, Haushaltsstruktur, Alter, Erwerbstätigkeit oder verfügbaren Einkommen sowie prognostizierte Veränderungen im Nachfrage- und Investitionsverhalten im Wohnungs- und Bausektor fließen dabei als Grundlagen für die Langfristprognose ein.

finanzwelt: Ein Selbstläufer wird der Immobilienkauf in den nächsten Jahren demnach nicht mehr?
Schrobback» Besonders für Kapitalanleger wird es entscheidend, die richtige Region beim Kauf zu finden und dabei ist Fachwissen und Expertise gefragt. Der Markt teilt sich immer stärker in Gewinner und Verlierer auf. Wo lohnt sich ein Kauf also besonders? Anhaltende Preiszuwächse bis 2035 sehen wir vor allem für den Berliner Raum sowie Leipzig und Magdeburg und deren Umland. Für die sieben Top-Städte in Deutschland werden wir also ebenfalls weiter steigende Immobilienpreise – allerdings teilweise mit einem deutlich niedrigeren Plus als in den Vorjahren – sehen. Die Anziehungskraft der Metropolen und ihres Umlands bleibt.

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