Wofür Deutsche in Zeiten von Corona Kredite aufnehmen

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Jeder dritte Haushalt in Deutschland will in der nächsten Zeit einen Kredit zur Finanzierung von Konsumgütern oder anderen Privatinvestitionen aufnehmen. Der Anteil aller privaten Kreditnehmer bleibt damit trotz oder gerade wegen Corona konstant. Das hat eine aktuelle Studie der Smava ergeben.

Finanzierungsoptionen wie Kredite wirken auf das private Konsumverhalten stabilisierend, meinen Experten. Dass gerade in der Krise viele Verbraucher Kreditanträge ausfüllen, sei dafür ein Beweis. Die jeweiligen Kreditbedingungen werden von der aktuellen Pandemie beeinflusst. Um mehr als 80 Prozent unterscheiden sich Kreditverträge mit günstigen Bedingungen aktuell von den teuersten Optionen. Für ein und denselben Kredit schwanken die Konditionen in Krisenjahren deutlich. Dass viele Verbraucher Direktbanken als Kreditgeber wählen, liegt an den im Durchschnitt günstigeren Angeboten. Corona-Zinsanstiege lassen sich mit der Entscheidung für Online-Anbieter teils umgehen. Ähnlich wie der Anteil an privaten Kreditnehmern haben sich auch die Verwendungszwecke für aufgenommene Gelder in der Krise kaum verändert.

Hauptinvestitionsinteresse Immobilien

Laut der Smava sind die häufigsten Gründe für aufgenommene Kredite im Jahr 2020 der Immobilienkauf (mehr als 30 Prozent), die Finanzierung von Konsumgütern wie Autos und Elektronik (mehr als 20 Prozent) sowie Investitionen im Bereich Haus und Garten (mehr als 15 Prozent). Im Vergleich zum Jahr 2017 hat sich kaum etwas verändert. Etwa 36 Prozent aller aufgenommenen Kredite dienten damals der Finanzierung privater Einkäufe. 17 Prozent nahmen Darlehen für Anschaffungen wie Möbel und Einbauküchen auf. Für den Kauf eines PKWs nutzen damals über 50 Prozent die aufgenommenen Gelder. 2020 ist der Anteil an PKW-Krediten vergleichsweise zurückgegangen. Das Hauptinvestitionsinteresse hat sich während der Krise auf Immobilien verlagert.

Anlageklassen auf Talfahrt: Während der Pandemie präsentiert sich fast ausschließlich der Immobiliensektor robust. Einige Marktsegmente zeigen sich von der Krise sogar gänzlich unbeeindruckt. Häuser und Wohnungen wirken wie eine krisenfeste Altersvorsorge und sind bei einbrechenden Börsenkursen zu einer Art Fluchtwährung geworden.

Anteil an Selbstständigen in finanziellen Nöten steigt

Insgesamt werden mehr als 50 Prozent aller diesjährig aufgenommenen Konsumkredite in alltägliche Privatanschaffungen von Elektronikartikeln bis hin zu Waschmaschinen investiert. In Zeiten der Kurzarbeit bricht vielen Verbrauchern ein nicht zu unterschätzender Anteil ihres Monatseinkommens ein. Viele Privatinvestitionen lassen sich so nur noch mit Krediten schultern. Freiberufler sind hiervon besonders betroffen. In einem Großteil aller Branchen leidet die Auftragslage unter der Pandemie. Obwohl es für sie vergleichsweise schwieriger ist, Kredite zu beantragen, greifen daher auch Selbstständige im Krisenjahr immer häufiger auf Konsumkredite zurück. Zur Überbrückung finanzieller Engpässe infolge der rückläufigen Auftragslage bleibt ihnen kaum etwas anderes übrig, um existenzgefährdende Situationen abzuwenden. Die zugesicherten Hilfen vonseiten des Staats kommen bei ihnen in den meisten Fällen nicht an. Gerade Kleinstunternehmen wie Solo-Selbstständige müssen sich daher anders zu helfen wissen.

Per Dispo Urlaub von der Krise

Nicht nur Ratenkredite bleiben 2020 relativ konstant. Auch den Dispositionskredit nutzen zahlreiche Verbraucher laut Smava während der Krise. So vor allem für Verwendungszwecke wie Urlaubsreisen. Mehrere Millionen Deutsche haben in diesem Jahr ihr Konto für den Urlaub überzogen, viele um mehr als 1.000 Euro. Der Dispokredit gilt als eine der teuersten Möglichkeiten, an geliehenes Geld zu kommen. Dass Deutsche darauf gerade in diesem Jahr bei ihren Urlaubsreisen keine Rücksicht nehmen, liegt zum Teil am Fluchtimpuls, den Krisenjahre wie das aktuelle auslösen. Überraschenderweise stand der Urlaub von der Krise im Jahr 2020 trotz globaler Reisebeschränkungen bei jedem zweiten Deutschen auf dem Programm, so hat Smava per repräsentativer Umfrage ermittelt.

Fazit zum Kreditmarkt 2020: Schon im Mai 2020 hatte jeder fünfte Deutsche weniger Geld zur Verfügung, als vor der Pandemie. Auf die Nachfrage auf dem Kreditmarkt hat sich dies kaum ausgewirkt. Kredite nimmt man noch immer auf – vor allem, um das Konsumverhalten trotz einbrechenden Einkommens aufrechtzuerhalten. Wegen krisenbedingter Schwankungen der Kreditkonditionen sollten Verbraucher ihre Kreditgeber gerade im Krisenjahr mit Vorsicht auswählen.