“Wir nehmen unsere treuhänderische Verantwortung sehr ernst”

Anja Stobbe, Senior ESG-Analystin bei Allianz GI / Foto: © Allianz GI

Vor allem für institutionelle Investoren gewinnt das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle. Was das konkret bedeutet, verdeutlicht Allianz Global Investors anhand des Abstimmungsverhaltens bei Hauptversammlungen.

Im vergangenen Jahr war Allianz Global Investors weltweit auf 9.532 Hauptversammlungen vertreten, 997 mehr als im Vorjahr. Dabei standen mehr als 100.000 Aktionärs- und Managementvorschläge zur Abstimmung. In 77 % aller Hauptversammlungen stimmte Allianz GI gegen einen oder mehrere Tagesordnungspunkte oder enthielt sich der Stimme, im Vorjahr war dies bei 75 % der Fall. Wie auch im Vorjahr, lehnte Allianz GI 24 % aller Vorschläge ab.

Vielfältige Gründe für Ablehnung

Der häufigste Grund für Allianz GI, gegen einen Vorschlag zu stimmen, waren leistungsbezogene Vergütungssysteme. So wurden 48 % aller Vorschläge zu diesem Thema abgelehnt, 4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Regional verteilte sich die Ablehnung zu solchen Vorschlägen sehr unterschiedlich: So lehnte Allianz GI bei Hauptversammlungen Deutscher Unternehmen 35 % der Vorschläge zu leistungsbezogenen Vergütungssystemen ab, bei japanischen Unternehmen hingegen ganze 93 %. Deutlicher weniger problematisch empfand Allianz GI die Vorschläge bei britischen Unternehmen, wo es nur in 20 % der Fälle eine Gegenstimme gab. Ablehnung gab es vor allem, wenn Managementvergütungen nur unzureichend mit Leistungskennzahlen verknüpft waren oder wenn Anreizsysteme nicht im Einklang mit dem Geschäftstreiben standen.

Ebenfalls häufig stimmte Allianz GI dagegen, wenn es um die Besetzung von Gremien ging. So wurden Nominierungen für Aufsichtsratsposten überwiegend abgelehnt, wenn an der Unabhängigkeit der Kandidaten gezweifelt wurde. Zudem wurden Mandatshäufungen („Overboarding“) regelmäßig kritisch hinterfragt, weshalb es in einigen Regionen zu verstärkten Ablehnungen kann. So wurden bei italienischen Hauptversammlungen 57 % aller Nominierten abgelehnt, in Großbritannien hingegen nur 6 %. In Deutschland stimmte Allianz GI bei 18 % aller Nominierungen gegen einen Kandidaten.

Für die Unterstützung umfangreicher Kapitalgenehmigungen war für Allianz GI eine transparente Information der Geschäftsführung über die Verwendung des erhöhten Kapitals entscheidend. So lehnte das Unternehmen im vergangenen Jahr Anträge zu signifikanten Kapitalerhöhungen ab, wenn kein Vertrauen in konkrete Zukunftspläne eines Unternehmens gegeben war. Gleiches galt für stark kapitalverwässernde Aktienemissionen oder umfangreiche Aktien-Rückkaufprogramme. Mit 36 % lag Deutschland bei den Ablehnungen im oberen Mittelfeld.

Für welche Vorschläge Allianz GI häufig gestimmt hat, lesen Sie auf Seite 2