Wie wird Frau zum CEO?

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Immer wieder wird diskutiert, ob es sinnvoll sei, eine Frauenquote für Unternehmensleitungen einzuführen. Eine Studie unter amerikanischen Top-Managerinnen zeigt nun, mit welchen Eigenschaften es Frauen bis an die Spitze des Unternehmens geschafft haben.

Seit 1990 veröffentlicht das US-Wirtschaftsmagazin Fortune eine Liste der 500 umsatzstärksten Unternehmen („Fortune 500″). Gerade einmal 94 Unternehmen, die in der Liste jemals auftauchten, wurden von Frauen geleitet. Was waren die Gründe, dass es diese Frauen in der Wirtschaft so weit schafften? Dieser Frage ist die Personal- und Organisationsberatung Korn Ferry gemeinsam mit der Rockefeller Foundation nachgegangen. Die Untersuchung wurde u.a. von den CEOs von General Motors, Hewlett Packard und der amerikanischen Technologie-Börse Nasdaq unterstützt.

„Wir konnten 57 Frauen, davon 41 aus den Fortune 1000 und 16 aus nicht-gelisteten Konzernen persönlich interviewen. Darüber hinaus haben sie alle Assessments durchlaufen, die wir grundsätzlich auch bei der Besetzung von CEO-Positionen mit Kandidaten durchführen“, sagt Christiane Sauer, Senior Client Partner bei Korn Ferry. „Dies ermöglicht einen umfassenden Einblick in Persönlichkeitseigenschaften, Motivationsfaktoren und Kompetenzen dieser Gruppe, auch im geschlechtsübergreifenden Vergleich mit Best-in-Class-Profilen von CEOs.“ 

In der Studie fallen sechs wesentliche Ergebnisse ins Auge:

1. CEO kein Berufswunsch

Der Wunsch, CEO eines Unternehmens zu werden, hat sich bei den meisten weiblichen CEOs offenbar erst im Laufe des Berufslebens entwickelt. So gaben 16 % der Umfrageteilnehmerinnen an, dass sie erst auf die Idee gekommen seien, an der obersten Spitze des Unternehmens zu stehen, als sie bereits im oberen Management angekommen waren. 65 % wären sogar nie auf die Idee gekommen, ein Unternehmen zu leiten, wenn nicht Dritte sie auf diese Idee gebracht hätten. 7 % gaben an, dass sich der Schritt zum CEO ergeben hätte, ohne dass sie es geplant hätten.

 2. Weibliche CEOs haben die Motivation, unternehmerisch zu denken

Die 57 Studienteilnehmerinnen haben im direkten Vergleich mit den Best-of-Class CEOs vor allem in den Bereichen Herausforderungen und Unabhängigkeit überdurchschnittliche Werte erzielt. In den persönlichen Interviews sagten viele der weiblichen CEOs, dass sie stets beweisen wollten, dass Probleme lösbar sind. In diesem Kontext bedeutet Unabhängigkeit das Streben danach selbst zu gestalten und nicht nur zu verwalten. “Die weiblichen CEOs bringen das mit, was man heute ‚Unternehmerisches Denken’ nennt“, sagt Christiane Sauer. „Allerdings ist in den Gesprächen auch aufgefallen, dass bei aller Problemlösungsorientierung und Gestaltungswillen ein stückweit die eigene Karriereplanung aus den Augen geraten ist. Das erklärt auch, warum so viele von Dritten, häufig Mentoren, zunächst darauf gebracht werden mussten, das Amt des CEO ins Auge zu fassen. Zu einer erfolgreichen Bewerbung als CEO ist ein breites Netzwerk meist unablässig. Dies gilt es ebenso zu entwickeln wie exzellente Fachkompetenz und Ergebnisse, wenn Frauen langfristig erfolgreich sein wollen.“

3. Frauen werden erst in höherem Alter CEO

Im Schnitt ist ein weiblicher CEO beim Amtsantritt 51 Jahre alt, männliche CEOs vier Jahre jünger. Laut Christine Sauer kann das für die Unternehmen positiv sein. „Aus der Perspektive der Unternehmen kann dies aber Vorteile bieten. Frauen starten als CEO tendenziell mit mehr Lebenserfahrung und einer höheren Diversität ihres beruflichen Werdegangs.“ So bringen weibliche CEOs vor ihrem Amtsantritt im Schnitt Erfahrung aus zwei unterschiedlichen Funktionen mit, bei Männern sind es im Schnitt nur 1,73 Funktionen. Außerdem haben Frauen an der Unternehmensspitze im Durschnitt in zwei unterschiedlichen Industrien gearbeitet, Männer durchschnittlich lediglich in 1,54. Das erklärt auch, warum weibliche CEOs, trotz ihres durchschnittlich höheren Alters, in der durchschnittlichen Unternehmenszugehörigkeit mit 11,98 Jahren etwas hinter ihren männlichen Kollegen liegen, die im Durschnitt seit 12,4 Jahren für das Unternehmen tätig sind.

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