Wie sieht die Zukunft der Finanzberatung aus?

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Die Digitalisierung wird die Finanzvermittlung deutlich verändern und zu einer Marktselektion führen. Eine Studie zeigt, dass einer Beratung per Software genauso viel vertraut wird wie einer Beratung per Video-Chat. Die Studie gibt gleichzeitig Tipps, wie Berater für die Zukunft gerüstet sein können.

In den letzten Jahren hat sich das Finanzsystem deutlich verändert: Die Zahl der Bankfilialen nimmt ab und die Versicherer ordnen ihre Vertriebsstrukturen neu. Dies sind auch alles Folgen der wohl größten Umwälzung seit der Industriellen Revolution: der digitalen Revolution. So ist die Finanzberatung in Zukunft nicht mehr nur eine rein menschliche Domäne sein. Stattdessen kommt hier nun, wenn auch noch in geringem Maße, auch Künstliche Intelligenz in Form von Robo-Beratern zum Einsatz. Der Anteil dieser Beratungsform dürfte in den nächsten Jahren allerdings zunehmen.

Welche Folgen die digitale Revolution auf die Finanzberatung hat, wurde vom Markt- und Trendforschungsunternehmen bbw Marketing Dr. Vossen und Partner in der Studie “Digitalisierung der Geldanlage” untersucht. Dazu wurden 1.000 Kunden und weit über 100 Experten zur ihrer Einschätzung über die Zukunft der Finanzberatung befragt. Wichtigstes Ergebnis: Beim Aspekt Vertrauen ist der Mensch nach wie vor unersetzbar. Geht es jedoch um Produktwissen und Kollektivwissen, wozu auch Informationen aus dem Internet gehören, sind Robo-Berater der menschlichen Konkurrenz ebenbürtig und darüber hinaus noch günstiger.

Kunden wünschen weiterhin persönlichen Kontakt

Den Kunden scheint nach wie vor wichtig zu sein, dass sie den Finanzberater bei der Beratung physisch gegenüber sitzen haben. So kann sich nur jeder sechste befragte Verbraucher eine Finanzberatung über das Internet gut vorstellen, beispielsweise über Video-Chats. Interessant: Offenbar spielt es nur eine sehr untergeordnete Rolle, ob bei einer Beratung über das Internet ein menschlicher Berater oder eine Maschine am anderen Ende sitzt. So wären fast 15 %, und damit fast genauso viele wie diejenigen, die sich eine Video-Chat-Beratung vorstellen können, durchaus bereit, dass in Zukunft eine intelligente Software ihre Finanzsituation analysiert und Anlagevorschläge unterbreitet. Offenbar wird dem Berater, der nicht persönlich, sondern nur per Internet gegenübersitzt, genauso viel oder wenig vertraut wie einer programmierten Software.

Finanzunternehmen glauben an stärkere Internet-Beratung

Eine andere Meinung als die Kunden haben die Entscheidungsträger in den Finanzunternehmen, die mit großer Mehrheit davon überzeugt sind, dass die Zukunft der Finanzberatung im Internet liegt. So gaben 78 % der Befragten an, dass sich die Finanzberatung in Zukunft stärker ins Internet verlagern und häufiger über Video-Chats stattfinden wird. Welche Folgen dies für die Finanzvermittler haben wird, dazu haben die Studienautoren folgende Thesen aufgestellt.

  • Die Zahl der Vermittler wird sehr deutlich sinken. D.h., überwiegend die qualifizierten und vor allem unabhängigeren Finanzberater werden „überleben“. Eine Verdrängung wird durch die Digitalisierung direkt bei den Produktanbietern eintreten.
  • Ohne eine Anpassung an digitalisierte Prozesse wird zukünftig kein Berater existieren können. Vermittler werden sich spezialisieren müssen und auch neue technische Standards bei den Beratungen berücksichtigen. Die Kostensituation zwingt mehr und mehr zu automatisierten interne Prozessabläufe.
  • Die einzelnen Beratungsthemen werden immer komplexer und sind in ihrer Vielfalt für den Einzelnen nicht mehr in der notwendigen Tiefe fassbar. Nur Spezialisierungen auf kleine, exklusive Zielgruppen und Fachbereiche versprechen ein ausreichendes Einkommen. (ahu)

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