Wie Residential die größte Asset-Klasse wurde

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Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts blieben die Preise für Wohnimmobilien in der westlichen Welt relativ stabil. Plötzlich schossen sie immer weiter in die Höhe. Heute ist „Residential“ laut Zahlen von Savills mit riesigem Abstand die größte Asset-Klasse der Welt. Doch warum eigentlich? Die Spurensuche führt mitten in den Kalten Krieg.

Laut „American Economic Review“ veränderte sich die Wertentwicklung des amerikanischen Wohnimmobilienmarktes schlagartig zur Mitte des letzten Jahrhunderts. Ab jenem Zeitpunkt stieg der Preis für Wohnimmobilien viel schneller als das übrige Preisniveau und als die Einkommen der Menschen. Zudem – so analysiert die Universität Harvard – ist die durchschnittliche Miete der Amerikaner (Median-Wert) zwischen 1960 und 2016 effektiv um rasante 61 Prozent gestiegen. Das Durchschnitts-Einkommen (Median) der Mieter wuchs aber nur um fünf Prozent.

Wie die Maden im Speck

Wie kam diese Entkopplung zustande? Zu Beginn des Kalten Krieges entschieden sich die Regierungen der westlichen Welt dazu mehr für ihre Bürger zu tun – u.a. als Schutzwall gegen den Kommunismus. Daher förderten die West-Staaten die Verbreitung von Wohneigentum. Sie gingen nämlich davon aus, dass Wohneigentümer finanziell stabiler aufgestellt sind. Das sollte ihre Zufriedenheit mit dem aktuellen System steigern und ihre Offenheit für revolutionäre Bestrebungen senken.

Dementsprechend schossen attraktive Hypothek-Programme wie Pilze aus dem Boden. Die japanische Regierung stellte ihrer Bevölkerung z.B. Hypotheken zu einem festen Niedrigzins zur Verfügung. Zwischen den Jahren 1940 und 2000 hat sich so der Anteil von Hypotheken am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Westen mehr als verdoppelt.

Warum die Mieten in der Mitte des 20. Jahrhunderts derart stiegen, lesen Sie auf Seite 2